15. Juni 2022

Eine Aufforderung zum Tanz

Melvyn Poore © Paul Leclaire

Was, wenn Du in einer Musikkapelle der Heilsarmee Hymnen spielst, sobald Du ein Instrument in der Hand halten kannst – und es nie wieder weglegst?

Was, wenn Du keine Tuba studierst – aber trotzdem ein professioneller Tuba-Spieler wirst?

Was, wenn Du Dein Repertoire erweitern willst – aber nur mit Musik, die noch nie zuvor gehört wurde?

Was, wenn Du ein Komponist, ein Improvisator, ein Experte für elektronische Musik bist – und all das in die Tuba packen willst?

Was, wenn Du Teil der britischen experimentellen Musikszene warst – und diesen Weg auch auf dem Kontinent weitergehen willst?

Was, wenn Du Dich für Indeterminacy (Unbestimmtheit) begeisterst – aber die Welt ständig auf ein vorhersehbares Ergebnis setzt?

Was, wenn Du ein leidenschaftlicher Vermittler zwischen Neuer Musik und neuen Hörern bist?

Was, wenn Dein englischer Sinn für Humor in Deutschland ein Ventil sucht?

Was, wenn die Musik Dich zum Tanzen bringt – gleichgültig, ob andere sie auch so hören oder nicht?

Was, wenn Dein Instrument gar nicht Tuba heißt, sondern Es-Bass?

Und was, wenn ein Schalltrichter nicht ausreicht?

Was dann?

Bei so vielen einzigartigen Eigenschaften liegt es auf der Hand, Mitglied im Ensemble Musikfabrik zu werden – und dann damit zu beginnen, das Ensemble in Richtung Zukunft voranzutreiben.

 

Seit nahezu 30 Jahren profitiert das Ensemble von Melvyn Poores unvergleichlichem Input, seinen verblüffenden tiefen Tönen, ätherisch hohen Frequenzen und rätselhaften, nicht identifizierbaren Klängen. Seine provokanten Gedanken und Ideen standen oft im Widerspruch zum kollektiven Denken der Gruppe, wie z. B. die Verwendung des Computers für die Verwaltungsaufgaben und die Musikproduktion, neben vielen anderen Konzepten. (Zu der Zeit, als Melvyn der Musikfabrik beitrat, bevorzugte das Ensemble Faxgeräte und besaß nur einen PC.) Seine führende Rolle bei der Arbeit an Gruppendynamik und Ensemblebildung, seine Bemühungen, die britische experimentelle Schule, Cage und viele andere weniger bekannte, aber einflussreiche Komponisten in unser Repertoire einzuführen – sowie seine Begabung als Improvisator, Pädagoge und einfach wunderbarer Mensch – haben dem Ensemble viele Qualitäten verliehen, die unverwechselbar und prägend sind.

Seine Verdienste haben dazu beigetragen, das Ensemble Musikfabrik als eines der angesehensten, kreativsten und erfolgreichsten Ensembles für zeitgenössische Musik weltweit zu etablieren. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, Melvyn Poore für alles zu danken, was er für das Ensemble geleistet hat. Es soll laut und deutlich gesagt werden: Bei allem, was wir von unserem lieben Kollegen über Musik, Ausdruck und Leben gelernt haben, tanzt keiner von uns so zur Musik wie Melvyn.

Christine Chapman und Marco Blaauw

Post-Prae-Ludium

###UPDATE###

Das Konzert am 27. Juni muss leider krankheitsbedingt verschoben werden. Es wird bei nächster Gelegenheit nachgeholt.

Wir freuen uns auf das von Melvyn Poore kuratierte Konzert am Montag, 27. Juni bei uns im Haus und laden alle herzlich dazu ein.

INFOS

Es wird jedoch zum Glück nicht der letzte gemeinsame Auftritt sein. Schon bald steht Melvyn als Solist von Simon Steen-Andersens Transit beim Festival Musica Strasbourg wieder mit uns auf der Bühne.

Melvyn Poore
© Klaus Rudolph
Melvyn Poore
© Janet Sinica
Melvyn Poore
© Klaus Rudolph
Melvyn Poore
© Janet Sinica
Melvyn Poore
Melvyn Poore © Janet Sinica
© Klaus Rudolph
© Klaus Rudolph
Melvyn Poore, Johannes Schöllhorn © Klaus Rudolph
Melvyn Poore, Johannes Schöllhorn © Klaus Rudolph
Linkage! © Janet Sinica
Melvyn Poore © Klaus Rudolph

 

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