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Milica Djordjević – Pod vodom raskršća snova (2018)
für Klarinette, Violoncello und Klavier

Carl Rosman, Klarinette
Dirk Wietheger, Violoncello
Ulrich Löffler, Klavier

Janet Sinica, Video und Editing
Hendrik Manook, recording producer and editing

Mit großer Traurigkeit haben wir vom Tod von Peter Eötvös erfahren. Wir haben einen großen Komponisten, Dirigenten, Förderer und Freund verloren.

Das Ensemble Musikfabrik hat bei so vielen Gelegenheiten eng mit Peter Eötvös zusammengearbeitet. Seine Werke sind ein wichtiger Teil unseres Repertoires. Gemeinsam mit ihm arbeiteten wir an Steine, snatches of a conversationWindsequenzenMärchen, Natasha, da capo, Sonata per sei, Secret Kiss, Fermata, Tri sestry 

Er kam regelmäßig als Dirigent zu uns und schaffte es immer, mit seinem warmen, freundlichen, präzisen und eindringlichen Dirigat das Beste in uns hervorzuholen. Er kümmerte sich um die Musik und die Musiker.

Das Ensemble profitierte ungemein von seinem Wissen, seiner Erfahrung und seiner Leidenschaft. Neben der Zusammenarbeit auf der Bühne war er für unsere Fragen immer ansprechbar und nahm sich großzügig Zeit, wenn wir ihn bei der Auswahl des Repertoires und der Projektentwicklung konsultierten.

Abgesehen von dem, was er für das Ensemble getan hat, haben viele von uns immer liebevoll von ihm gesprochen und ihn als einen Freund und eine Vaterfigur bezeichnet. Wir hatten das Glück, seine treibende Leidenschaft für die Musik durch seine ruhige und liebevolle Ermutigung und Beratung zu erleben. Seine gut getimte Hand auf der Schulter, sein sanftes Klopfen auf den Rücken, seine freundlichen Worte und manchmal sogar sein Zen-artiger Gesichtsausdruck erleichterten vielen von uns die Bewältigung stressiger Aufgaben und schwieriger Situationen während unserer Laufbahn. Vielen hat er den Weg über den holprigen Bergpfad, den die neue Musik manchmal vor uns stellt, erleichtert.

Unser tief empfundenes Beileid gilt seiner Familie, seinen Freunden, der Eötvös-Stiftung und der gesamten Musikwelt. Es ist schwer, sich unsere Zukunft ohne ihn vorzustellen und zu akzeptieren, aber wir werden die Erinnerungen, die wir gesammelt haben, immer in Ehren halten und haben die größte Wertschätzung für alles, was er uns gegeben hat.

Danke, Peter Eötvös! Ruhe in Frieden.


© Klaus Rudolph

 

Peter Eoetvoes, Komponist und Dirigent / 05.05.2010 / Koelner Philharmonie
© Klaus Rudolph
Der Dirigent und Komponist Peter Eoetvoes, photographiert am 10.09.2002 in der Orangerie Schloss Benrath in Duesseldorf.
© Klaus Rudolph
Peter Eötvös © Janet Sinica
Peter Eötvös © Janet Sinica
© Klaus Rudolph
Musikfabrik im WDR © Janet Sinica
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Unsuk Chin – cosmigimmicks (2011/12)
für Ensemble

Ensemble Musikfabrik
Clement Power, Dirigent

Janet Sinica, video/editing
Julius Gass, video assistant
Jan Böyng, editing
Wolfgang Ellers, recording producer / editing

IMAGINÄRES THEATER: UNSUK CHINS „COSMIGIMMICKS“ (2011/12)

1985 war Unsuk Chin 24 Jahre alt, voller Tatendrang und Abenteuerlust. Und obwohl sie bereits einige Kompositionspreise gewonnen hatte, wollte sie sich den letzten Feinschliff unbedingt beim Neue Musik-Granden, György Ligeti, in Hamburg holen. Doch kaum hatten sich beide das erste Mal getroffen, muss Ligeti wieder einmal seine berühmte „Motzmiene“ (Unsuk Chin) aufgesetzt und seine zukünftige Studentin auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt haben: „Ligeti sagte zu mir, alle meine Kompositionen wären unoriginell und ich sollte sie lieber wegwerfen.“ Das saß. Die nächsten drei Jahre konnte Chin keine Note mehr zu Papier bringen. Trotzdem blickt sie heute nicht im Groll auf ihre Hamburger Jahre zurück. Immerhin verband sie mit ihrem schonungslosen Lehrer der grundlegende Zweifel an einer fortschrittsgläubigen Musik-Avantgarde: „So viele Dinge, von denen wir glauben, wir hätten sie erfunden, existieren bereits – in der frühen europäischen wie in der nichteuropäischen Musik.“

Das musikalische Rad will Unsuk Chin seitdem nicht mit aller Macht neu erfinden. Und dennoch gehört die gebürtige Südkoreanerin und inzwischen eingefleischte Wahl-Berlinerin längst zu den faszinierendsten, fantasievollsten und damit eben doch erfindungsreichsten Stimmen innerhalb der zeitgenössischen Musikszene. Von Simon Rattle bis zum Kronos Quartet spielen prominenteste Interpreten ihre Stücke. 2007 wurde ihre von Kent Nagano in München dirigierte Oper Alice in Wonderland gar zur „Uraufführung des Jahres“ gewählt. Und bereits drei Jahre zuvor, 2004, erhielt die Komponistin für ihr Violinkonzert den mit 200.000 Dollar dotierten „Grawemeyer Award for Music Composition“.

Unsuk Chins cosmigimmicks wurde 2012 in Amsterdam vom Nieuw Ensemble uraufgeführt. Ein Jahr später, im April 2013, fand im Rahmen der Wittener Tage für neue Kammermusik die Deutsche Erstaufführung statt. Als „Pantomime“ bezeichnet die Koreanerin ihre Komposition für sieben Musiker. Inspiriert hat sie dazu das Instrumentarium des Uraufführungsensembles. „Zupfinstrumente (Gitarre, Mandoline und Harfe) spielen die Hauptrolle, während sich die anderen Instrumente (präpariertes Klavier, Violine, Trompete und Schlagzeug) verkleiden, um sich einem Masken- und Mimikryspiel anzuschließen“, so Chin in ihrem Werkkommentar. „Häufig verschmelzen alle Instrumente zu einem einzigen ‚Superinstrument‘: Sowohl der Pianist als auch der Geiger ahmen die Zupfinstrumente nach, die ersteren durch Vorbereitung, die letzteren durch Anwendung ungewöhnlicher Spieltechniken. Last but not least wird die Reihe der Schlaginstrumente (die teilweise auch vom Trompeter gespielt werden) eingesetzt, um mit den anderen Instrumenten eine größtmögliche Symbiose des Klangs zu erreichen. Das gesamte Timbre des Stücks ist metallisch und sehr zerbrechlich.“

Was sich jedoch hinter dem Titel „cosmigimmicks“ verbirgt, will Chin nicht verraten. Zerlegt man den Titel aber beispielsweise in „Kosmos“ und „Gimmicks“, könnte man ihn als „Universelles Werbegeschenk“ bezeichnen. Ihren Sinn fürs Nonsensehafte hat Chin jedenfalls von ihrem alten und überaus strengen Lehrer György Ligeti, dem sie nun auch den dritten Satz „Thall“ gewidmet hat.

Wenngleich das Stück offiziell als „Pantomime“ fungiert, hat gleich der erste Satz „Shadow Play“ nichts mit dieser jahrtausendealten Ausdrucksform zu tun, sondern erinnert an die Kunst des Schattenpuppentheaters. „Es beginnt mit bloßem Rauschen, aus dem allmählich Töne und Harmonien entstehen. Die musikalischen Gesten sind schattenhaft. Diese Gesten sind rätselhaft, unfassbar und unvorhersehbar wie Kafkas Odradek.“ Der zweite Satz „Quad“ geht auf zwei gleichnamige Fernsehspiele von Samuel Beckett zurück, die der irische Schriftsteller 1981 für den Süddeutschen Rundfunk produzierte. Darin schreiten die Schauspieler ein Quadrat auf geometrisch strengen Wegen ab. Bei Unsuk Chin wird daraus eine streng rhythmische Szenerie, in der sich jedes Instrument in eine Art Schlagzeug verwandelt. Der Titel des dritten Satzes „Thall“ ist schließlich Koreanisch und bedeutet ‚Maske‘. „Die Gitarre steht im Zentrum dieses Satzes und spielt eine Quasi-Melodie, die aus wenigen Mikrotönen besteht und immer wieder wiederholt wird. In Übereinstimmung mit den sich ändernden Harmonien der anderen Instrumente ändert sich diese ‚Melodie‘, ähnlich einer Transformation des Gesichtsausdrucks einer Pantomime. Der Gesamtcharakter von „Thall“ ist sowohl leicht sentimental wie auch makaber und beschreibt die Psyche einer zerrissenen Person, wobei die Veränderung der mentalen Zustände durch Veränderung der harmonischen Sprache veranschaulicht wird.“

Guido Fischer

Unsuk Chin © Klaus Rudolph
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Moondog
Archey Proto – Cosmos I
Archey Proto
Prologue to Archey Proto
Cosmic Meditation No. 2

Andi Toma, Elektronik
Ensemble Musikfabrik
Helen Bledsoe, Flöte
Peter Veale, Oboe
Carl Rosman, Klarinette
Marco Blaauw, Trompete
Maxime Morel, Tuba
Benjamin Kobler, Klavier
Dirk Rothbrust, Schlagzeug
Hannah Weirich, Violine
Axel Porath, Viola
Dirk Wietheger, Violoncello

Texte

Archey Proto

ZU ARCHEY PROTO
Das Urbild und der Prototyp von Allem in Einem und Einem in Allem ist
Er, der Kopf von Sechs und das Herz von Sechsundneunzig, der Kopf und
das Herz von Zweiundneunzig, die ihren Kick en masse durch den
Handel mit super-sub-atomaren Tricks bekommen,
alles Teil und Bestandteil der Kosmischen Persönlichkeit, die den Namen
Archey Proto trägt, eher respektlos abgekürzt von den wenigen, die ihren
Kleinen Riesen lieben, der sich in einem irdischen Ruhm sonnt, der die
Größe, aber nicht die Bedeutung der Milbe übertrifft,
die sich nicht unter die super-sub-atomaren Welten mischt, um dafür zu
sorgen, dass sie das Archey-Protokoll durchsetzen.
Der Herrscher des Roosts regiert per Dekret.

Cosmic Meditation NO. 2

DER KOSMOS
Beschreiben Sie ihn! Nicht indem man sagt, was er ist, sondern was er
nicht ist. Kein Geschlecht, keine Zeitform, kein Wort und kein Adjektiv
könnte jemals sagen:
„Kein Etwas, kein Nichts, keine Ursache, kein Synonym für Universum.“
Die Inseluniversen sind so zahlreich wie Wassertropfen im Kosmischen
Meer, Sideria selbst, ohne Meeresgrund, Brandung oder Ufer.
Ich fürchte, ich stecke zu tief drin und schwimme wie ein Fisch ohne
Flosse, und das alles nur wegen meines Vokabulars, das die Sache noch
schlimmer macht.
„Keine Größe impliziert kein Maß, impliziert keine Begrenzung.“
Wenn ich darf, stelle ich die Frage nach dem „Wie“, bevor ich es wage, die
Fragen nach dem „Warum“ und „Was“ zu stellen.

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Rebecca Saunders – whispers (2023) Uraufführung
für Violine solo

Enno Poppe – Zwei Blätter (2023) Uraufführung
für Violine solo

Joseph Andrew Lake – The Visit (2023) Uraufführung
für Violine und Radio

Georges Aperghis – Blumen für Uli (2023) Uraufführung
für Violine solo

Lisa Streich – WUNDER (2023) Uraufführung
für Violine am Klavier

Helge Sten – Thought Forms (2021) Uraufführung
für E-Violine mit Roland Echo und Zuspiel

Bethan Morgan-Williams – Ffarwel i Uli (2023) Uraufführung
für Violine und Moogerfooger

Hannah Weirich, Violine, E-Violine
Lea Letzel, Raum und Licht
Paul Jeukendrup, Klangregie

Was passiert mit einem Duo, wenn einer stirbt?

Von Anfang an haben Uli und ich oft im Duo gespielt, aber es brauchte den Raum und die Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020, um endlich ein konkretes gemeinsames Projekt zu entwickeln. 

So entstand 2020 „Zurück in der Zukunft – Neue Werke für Violine und analoge Keyboards“, unser absolutes Herzensprojekt mit sechs Kompositionsaufträgen für unser Duo.

2021 spielten wir die ersten beiden Konzerte mit den Uraufführungen von tanzen! von Gordon Kampe für E-Geige, Hohner Clavinet, Philicorda GM 754 und Hohner String Melody II beim Festival „Raumklänge“ in Stommeln und Microstories about Tenderness von Dariya Maminova für E-Geige und Minimoog bei den Funkhauskonzerten im WDR Köln, im Februar 2022 die Uraufführung von Fail again von Milica Djordjevic für E-Geige und Yamaha YC-45d Combo Orgel bei ECLAT in Stuttgart.

Ende April 2022 wurde bei Uli Krebs diagnostiziert, aber er trat dieser Krankheit mit großem Optimismus und aller Kraft entgegen. Das nächste Konzert mit der Uraufführung von DJ Silver-Top von Atac Sezer für für Violine, Fender Rhodes Piano, Synthesizer und Vocoder hätte im August bei den Sommerlichen Musiktagen in Hitzacker stattfinden sollen, wir mußten uns aber irgendwann eingestehen, daß es nicht mehr möglich war.

Zurück in der Zukunft kann für mich ohne Uli nicht weitergehen.

Ich bin der Kunststiftung NRW, der Ernst von Siemens Musikstiftung und dem Musikfonds sehr dankbar, daß sie meinem Vorschlag zugestimmt haben, unser Duoprojekt in ein Konzert zu Ulis erstem Todestag umzuwandeln.

Thought forms hatte Helge Sten ursprünglich für „Zurück in der Zukunft“ komponiert. Nun hat er aus dem Keyboardpart ein Band produziert, damit ich das Duo alleine uraufführen kann. Obwohl ich es mir anders gewünscht hätte, spiele ich es jetzt eben nicht mit sondern für Uli.

„Here, there and everywhere“ ist ein Abend mit neuen Werken von Komponist:innen, die Uli und mir eng verbunden sind. Ich binRebecca Saunders, Enno Poppe, Joseph Andrew Lake, Georges Aperghis, Lisa Streich, Bethan Morgan-Williams und Helge Sten unendlich dankbar für ihre wunderbaren Stücke.

Auch wenn Uli nicht mehr mitspielen kann, ist er doch „Here, there and everywhere“.

Hannah Weirich, August 2023

Texte

Rebecca Saunders – whispers

violin solo

For Hannah

In fondest memory of Uli

whispers, n.:

susurrus, voicelessness, murmuring utterances

Air, whit, spark, breath, glimmer, touch and trace.

RS

Enno Poppe – Zwei Blätter

für Violine solo

für Hannah, in Erinnerung an Uli

Joseph Andrew Lake – The Visit

for violin and radio

Dedicated to Hannah Weirich and the memory of Ulrich Löffler

The Visit reflects on the ways the dead visit us — in dreams,
memories, people and spaces that remind us of their absence, and recordings.

The piece an interpretation of the opening and closing passages of Uli’s part from the Concerto for prepared piano and large
ensemble I wrote for him in 2017.  Uli accompanies Hannah on the piano via rehearsal recordings of this piece from February 2021. You will hear him speaking on one of these recordings. 

Joseph Andrew Lake

Georges Aperghis – Blumen für Uli

pour Hannah

Lisa Streich – WUNDER

for violin solo at the piano 

dedicated to Hannah & Uli

Helge Sten – Thought Forms

„Three general principles underlie the production of all thought-forms :

1. Quality of thought determines colour.
2. Nature of thought determines form.
3. Definiteness of thought determines clearness of outline.“

Aus: Annie Besant and Charles W. Leadbeater, Thought Forms

Bethan Morgan-Williams – Ffarwel i Uli

for violin and moogerfooger

to Hannah, with love 

The title „Ffarwel i Uli“ embodies a bittersweet farewell to our dear Uli. The piece carries an enigmatic quality through its
cyclic structure that remais elusive, much like a jigsaw puzzle with pieces that never fully reveal their whole picture.

The composition opens with poignant news bulletins, representing the announcement of Uli’s passing, and the echoes of sighs from mourners, resonating with the grief of thos left behind. Buth this piece is not a solemn elegy. Rather, it serves as a heartfelt, musical embrace, reminding us to cherish the memory of Uli, his spark, and the joy he brought to our lives.

Bethan Morgan-Williams

Zurzeit sind zwei Musikerinnen von Studio Musikfabrik, das Jugendensemble für Neue Musik des Landesmusikrats NRW, zusammen mit Peter Veale wieder in Bangkok beim Princess Galyani Vadhana Institute of Music zu Gast. Das jährlich stattfindende internationale Symposium feiert in diesem Jahr sein 10jähriges Bestehen. Studio Musikfabrik ist regelmäßig vor Ort und wir blicken auf viele horizonterweiternde musikalische Begegnungen zurück.

Zeitgleich wurden Aufnahmen veröffentlicht, die beim letzten Besuch von Studio Musikfabrik produziert wurden: Im Februar 2023 wurden vier Call-for-Score Werke unter der Leitung von Peter Veale aufgenommen. Auf Youtube findet sich die komplette Playlist mit herausragenden Kompositionen der vergangenen Jahre.

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John CageThe Perilous Night (1944)
für präpariertes Klavier

Benjamin Kobler, Klavier

Janet Sinica, Video/Bearbeitung
Jan Böyng, Bearbeitung
Julius Gass, Tonaufnahme/Mischung

Es handelt sich um eine Komposition in sechs unbetitelten Sätzen. Sie entstand in einer Phase in Cages Leben, die von Verwirrung und Traurigkeit geprägt war, was zum großen Teil auf die bevorstehende Trennung von seiner Frau Xenia zurückzuführen war. Der Titel stammt aus einer Sammlung von irischen Volksmärchen. Die Musik erzählt von den Gefahren der erotischen Liebe, vom Elend der Menschen, die sich trennen, und von der Einsamkeit und dem Schrecken, den man erleben kann, wenn die Liebe unglücklich wird. Der Klaviersatz ist mäßig ausgearbeitet und jeder der sechs Sätze des Werks hat eine andere rhythmische Struktur.

Werkkommentar John Cage Trust

Die rhythmische Struktur der einzelnen Sätzen drückt sich in der Länge der Phrasen aus. John Cage hat sich bei jedem einzelnen Satz entschieden, wie viele Takte eine Phrase dauert, und diese Länge dann konsequent den gesamten Satz beibehalten. In den Noten erkennt man das Ende einer Phrase immer an einem Doppelstrich an Stelle eines einfachen Taktstrichs. Dies gesagt besteht der erste Satz aus 10 Phrasen zu jeweils 10 Takten, der zweite Satz aus 6 Phrasen zu jeweils 6 Takten, der dritte aus 12 Phrasen zu jeweils 12 Takten usw.
Bei jeder Wieder-Begegnung mit Cages Stücken für präpariertes Klavier bin ich von Neuem fasziniert von der exotischen Klangwelt, die durch verhältnismäßig einfache Mittel erreicht wird. Dabei finde ich wunderbar, dass durch die eigentlich pragmatische Idee die Klänge eines Schlagzeugensembles durch die Präparierung des Flügels mittels Radiergummis, Fensterisolierklebeband, Muttern, Metallschrauben und Holzdübel zu imitieren, das klangliche Fenster so weit in Richtung Mikrotonalität geöffnet wird.

Benjamin Kobler

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Riccardo Nova Mahābhārata (Mantras, Fights and Threnody) (2019-21)
für karnatische Musiker*innen, Ensemble und Elektronik
Auftragswerk der Philharmonie Essen
Varijashree Venugopal, Stimme und indische Flöte
BC Manjunath, Mridangam
Guru Prasanna, Canjira
Ensemble Musikfabrik
Peter Rundel, Dirigent
Paul Jeukendrup, Klangregie

Janet Sinica, Video/Schnitt
Riccardo Nova, Tonbearbeitung
Julius Gass, Aufnahmeleitung
Liveaufnahme vom NOW! Festival/Philharmonie Essen im Oktober 2022

Ensemble Musikfabrik

Helen Bledsoe, flute, alto flute, bass flute, piccolo, Indian flute
Peter Veale, oboe, English horn
Carl Rosman, clarinet, bass clarinet
Joshua Hyde, alto-/sopr-sax
James Aylward, bassoon
Christine Chapman, horn, shell horn
Marco Blaauw, trumpet, natural trumpet, shell horn
Bruce Collings, trombone
Maxime Morel, tuba
Benjamin Kobler, Marlies Debacker, piano/keyboard
Dirk Rothbrust, Michael Weilacher, percussion
Hannah Weirich, violin
Sara Cubarsi, violin, viola d’amore
Axel Porath, viola
Dirk Wietheger, violoncello
Florentin Ginot, double bass

Thomas Fichter, director Ensemble Musikfabrik
Michael Bölter, project management Ensemble Musikfabrik

The research for Mahābhārata was supported by FIND (FAD) and by KAMA production.

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John CageImaginary Landscape No. 1 (1939)

Ensemble Musikfabrik
Melvyn Poore
Benjamin Kobler
Dirk Rothbrust
Sara Cubarsi

Janet Sinica, video/editing
Jan Böyng, editing
NDR, audio recording/editing

recorded live at Elbphilharmonie Hamburg / NDR das neue werk 2022

Mit tiefer Trauer geben wir vom Ensemble Musikfabrik bekannt, dass Ulrich Löffler am Dienstag, den 30. August, nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist. Uli war eines unserer Gründungsmitglieder und langjähriger Vorsitzender unseres Vereinsvorstandes. Er war ein großartiger Kollege, der für unser Ensemble in vielerlei Hinsicht von grundlegender Bedeutung war – ein wesentlicher Bestandteil der DNA der Musikfabrik. Er war nicht nur ein wunderbar ausdrucksstarker Musiker, der bei so vielen unserer prägenden Projekte auf den Bühnen der Welt für Funk und Groove sorgte, sondern auch ein zuverlässiger Kollege, der bereit war, bei wichtigen Veränderungen in unserer oft turbulenten Geschichte Verantwortung zu übernehmen.

Sein Talent an den Tasten war legendär und wird uns sehr fehlen. Ob er Schumann, Bach oder Mozart auf einem Steinway spielte, Partch auf einem Chromelodeon oder Zappa am Minimoog, Hohner Clavinet E7 oder Fender Rhodes, seine emotionale und physische Präsenz hat sie alle gerockt. Die Uraufführung der Gesamtfassung von Wolfgang Rihms monumentalem Chiffre-Zyklus wurde von Ulis kraftvollen, rauschenden Interpretationen angeführt. Seine einnehmenden Interpretationen und seine warmherzige Persönlichkeit ließen einzigartige Beziehungen und Kooperationen mit KomponistInnen wie Helmut Lachenmann, Mauricio Kagel, Nicholas A. Huber, Enno Poppe und Rebecca Saunders entstehen. Uli war auch großzügig mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten. Es war ihm ein Herzensanliegen, Komponist*innen in die weite Welt der analogen Synthesizer aus den 70er und 80er Jahren einzuweihen und sie zu inspirieren, diese einzigartigen Klänge in die Sprache der zeitgenössischen Musik zu integrieren.

Wir werden Ulis unbändige Energie, seine Integrität, seine Liebe zu gutem Whisky, seinen scharfsinnigen Humor und sein herzhaftes Lachen in Ehren halten. Er forderte uns ständig heraus und spornte uns an, weiter zu gestalten und uns als Gruppe weiterzuentwickeln. Er ist aus dem Ensemble nicht fortzudenken. Er hätte jedoch sicherlich wenig Nachsicht, wenn wir in unseren Bemühungen nachlassen würden, die Musik, die ihm am Herzen lag, in die Herzen der anderen zu bringen. Unsere Gedanken und unsere Liebe gelten seinen Freunden und seiner Familie, insbesondere seiner geliebten Frau, unserer lieben Kollegin Hannah, seinen beiden Söhnen und seinem Enkel.

Die Musikerinnen und Musiker des Ensemble Musikfabrik

Ulrich Löffler
© Janet Sinica
© Klaus Rudolph
Ulrich Löffler
© Janet Sinica
© Astrid Ackermann
© Klaus Rudolph
Ulrich Löffler
© Astrid Ackermann
© Klaus Rudolph
© Klaus Rudolph
Ulrich Löffler
© Janet Sinica
Ulrich Löffler
© Janet Sinica
Ulrich Löffler © Thomas Fichter
Ulrich Löffler © Thomas Fichter
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Melvyn Poore © Paul Leclaire

Was, wenn Du in einer Musikkapelle der Heilsarmee Hymnen spielst, sobald Du ein Instrument in der Hand halten kannst – und es nie wieder weglegst?

Was, wenn Du keine Tuba studierst – aber trotzdem ein professioneller Tuba-Spieler wirst?

Was, wenn Du Dein Repertoire erweitern willst – aber nur mit Musik, die noch nie zuvor gehört wurde?

Was, wenn Du ein Komponist, ein Improvisator, ein Experte für elektronische Musik bist – und all das in die Tuba packen willst?

Was, wenn Du Teil der britischen experimentellen Musikszene warst – und diesen Weg auch auf dem Kontinent weitergehen willst?

Was, wenn Du Dich für Indeterminacy (Unbestimmtheit) begeisterst – aber die Welt ständig auf ein vorhersehbares Ergebnis setzt?

Was, wenn Du ein leidenschaftlicher Vermittler zwischen Neuer Musik und neuen Hörern bist?

Was, wenn Dein englischer Sinn für Humor in Deutschland ein Ventil sucht?

Was, wenn die Musik Dich zum Tanzen bringt – gleichgültig, ob andere sie auch so hören oder nicht?

Was, wenn Dein Instrument gar nicht Tuba heißt, sondern Es-Bass?

Und was, wenn ein Schalltrichter nicht ausreicht?

Was dann?

Bei so vielen einzigartigen Eigenschaften liegt es auf der Hand, Mitglied im Ensemble Musikfabrik zu werden – und dann damit zu beginnen, das Ensemble in Richtung Zukunft voranzutreiben.

 

Seit nahezu 30 Jahren profitiert das Ensemble von Melvyn Poores unvergleichlichem Input, seinen verblüffenden tiefen Tönen, ätherisch hohen Frequenzen und rätselhaften, nicht identifizierbaren Klängen. Seine provokanten Gedanken und Ideen standen oft im Widerspruch zum kollektiven Denken der Gruppe, wie z. B. die Verwendung des Computers für die Verwaltungsaufgaben und die Musikproduktion, neben vielen anderen Konzepten. (Zu der Zeit, als Melvyn der Musikfabrik beitrat, bevorzugte das Ensemble Faxgeräte und besaß nur einen PC.) Seine führende Rolle bei der Arbeit an Gruppendynamik und Ensemblebildung, seine Bemühungen, die britische experimentelle Schule, Cage und viele andere weniger bekannte, aber einflussreiche Komponisten in unser Repertoire einzuführen – sowie seine Begabung als Improvisator, Pädagoge und einfach wunderbarer Mensch – haben dem Ensemble viele Qualitäten verliehen, die unverwechselbar und prägend sind.

Seine Verdienste haben dazu beigetragen, das Ensemble Musikfabrik als eines der angesehensten, kreativsten und erfolgreichsten Ensembles für zeitgenössische Musik weltweit zu etablieren. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, Melvyn Poore für alles zu danken, was er für das Ensemble geleistet hat. Es soll laut und deutlich gesagt werden: Bei allem, was wir von unserem lieben Kollegen über Musik, Ausdruck und Leben gelernt haben, tanzt keiner von uns so zur Musik wie Melvyn.

Christine Chapman und Marco Blaauw

Melvyn Poore
© Klaus Rudolph
Melvyn Poore
© Janet Sinica
Melvyn Poore
© Klaus Rudolph
Melvyn Poore
© Janet Sinica
Melvyn Poore
Melvyn Poore © Janet Sinica
© Klaus Rudolph
© Klaus Rudolph
Melvyn Poore, Johannes Schöllhorn © Klaus Rudolph
Melvyn Poore, Johannes Schöllhorn © Klaus Rudolph
Linkage! © Janet Sinica
Melvyn Poore © Klaus Rudolph

 

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In unserem nächsten Montagskonzert werden die Uraufführungen der neuen Werke „အမှောင် – A Hmaung“ von Hein Tint für Pat Waing, Posaune und Piano und „Aneignung“ von Orm Finnendahl für Pat Waing, Posaune und mikrotonalem Synthesizer zu hören sein. Die Stücke sind eingebettet in ein Programm mit traditioneller Musik aus Myanmar, elektro-akustischen Improvisationen mit dem Computerprogramm „Quo“ des Komponisten Orm Finnendahl und Miniaturen für Posaune und Klavier von György Kurtág.

Das Konzert ist das Ergebnis von vier vorausgegangenen Workshops mit improvisatorischen, kompositorischen und medialen Anteilen und wechselnden Rollenverständnissen von Solist, Komponist und Ensemble. Am Ende ist dabei ein Konzertabend entstanden, an dem die diversen musikalischen Einflüsse, Herkünfte und Herangehensweisen der Teilnehmer*innen hörbar werden, in dem Gemeinsames und Differentes nebeneinander stehen kann und in der Gegenüberstellung jeweils neu gehört werden kann.

Matthias Mainz: „Die Arbeit mit Musiken aus verschiedenen stilistischen Kontexten und vor allem mit Musiker*innen aus verschiedenen musikalischen Kulturen erfordert gleichermaßen Respekt und Aufmerksamkeit dem jeweils Anderen und seiner Kontexte gegenüber. Und entgegen der linearen Vorstellung einer universalistischen Kraft von Musik, die im Austausch eben automatisch immer Verbindung schaffe, setzt die Auseinandersetzung mit den Unterschieden das Wissen um die Kontextualität des eigenen musik-kulturellen Wissens voraus und über das, was Donald Rumsfeld einmal die „unknown unknowns“ genannt hatte: das Wissen, dass nicht einmal der genaue Umfang des eigenen Nichtwissens der Kultur, der Kontexte und der Empfindungen des Gegenübers bekannt sein kann. Und wenn wir ehrlich sind, betrifft dieses Unwissen dem Umfang des Fremden gegenüber auch ein Unwissen über die eigenen inneren veränderlichen Kontexte von Gedanken und Prägungen, die auch in uns selbst nie so linear und fest sind, wie wir uns selbst denken.“

Der burmesische Hsaing Waing Meister Hein Tint aus Pyawbwe in der Provinz Mandalay war in den ersten Jahren nach der demokratischen Öffnung von Myanmar ein zentraler Akteuer von kulturellen Austauschprojekten aus Deutschland und Frankreich. Nach der Übersiedlung mit seiner Familie nach Berlin 2017 war für Hein Tint die Zusammenarbeit mit seinem Ensemble in Myanmar durch den Militärputsch vom Februar 2021 nun unmöglich geworden. Das Projekt ist Teil der Bemühungen, die Kollaborationen Hein Tints mit westlichen Musiker*innen nicht abbrechen zu lassen und die Möglichkeiten seines wunderbaren Instrumentes Pat Waing in neuen Kontexten erforschen zu können.

Eine Kooperation des Ensemble Musikfabrik und der Plattform für Transkulturelle Neue Musik e.V. mit freundlicher Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW

© Hans Fahr
Orm Finnendahl © Hans Fahr
Hein Tint © Hans Fahr
Matthias Mainz © Hans Fahr
Bruce Collings © Hans Fahr
© Matthias Mainz

Montagskonzert | 23. Mai 2022

Köln, Studio des Ensemble Musikfabrik

Orm Finnendahl – Aneignung (2022) Uraufführung
für Hsaing Waing, Posaune, Piano und Elektronik

Hein Tint – အမှောင် / A Hmaung / Dunkelheit (2022) Uraufführung
für Hsaing Waing, Posaune und Piano

György Kurtág – Sechs Stücke für Posaune und Klavier (1999)

ထံတျာ / Htan Teya / trad. Kinderlied

Orm Finnendahl/EnsembleQuo –Improvisationen/Signal-Processing für Klavier, Posaune, Pat Waing und Maung Zaing (burmesische Buckelgongs)

Hein Tint, Hsaing Waing
Bruce Collings, Posaune
Benjamin Kobler, Klavier
Orm Finnendahl, Elektronik
Matthias Mainz, kuratorische Begleitung