{"id":10111,"date":"2012-11-20T10:09:01","date_gmt":"2012-11-20T09:09:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/blog\/brian-ferneyhough-finis-terrae\/"},"modified":"2012-11-20T10:09:01","modified_gmt":"2012-11-20T09:09:01","slug":"brian-ferneyhough-finis-terrae","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/en\/blog\/brian-ferneyhough-finis-terrae\/","title":{"rendered":"Brian Ferneyhough: \u201cFinis Terrae\u201d"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce ce-onecol \" >\r\n    <div class=\"container\">\r\n        <div class=\"row\">\r\n            <div class=\"col\">\r\n\t\t\t\t<p>Dass die zeitgen\u00f6ssische Musik ihre Interpreten zuweilen aufs \u00c4u\u00dferste fordert, ist kein Geheimnis. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr liegen nicht allein in dem Umstand, dass hier gewisse Routinen und Standards, wie sie sich in der Dur-Moll-tonalen Musik \u201eeingespielt\u201c haben, meist nicht weiterf\u00fchren. Erschwerend sind f\u00fcr den Interpreten auch die h\u00e4ufig sehr detailreichen, komplexen Partituren, die eine regelrechte Flut an Informationen vorgeben, da es allgemeing\u00fcltige musikalische Regeln kaum mehr gibt und zugleich die zur Verf\u00fcgung stehenden Spieltechniken und Arten der Klangerzeugung nahezu unbegrenzt erscheinen.<\/p>\n<p>Im Schaffen des britischen Komponisten <strong>Brian Ferneyhough<\/strong> spiegelt die auff\u00e4llige Komplexit\u00e4t der musikalischen Strukturen und die akribische Ausdifferenzierung in der Notation mehr als nur ein vordergr\u00fcndiges Streben nach schillernder Virtuosit\u00e4t. In den 1960er-Jahren zun\u00e4chst an die Zweite Wiener Schule und den Serialismus der Darmst\u00e4dter Avantgarde ankn\u00fcpfend, entwickelte Ferneyhough bald einen eigenen Stil, der die immensen Schwierigkeiten des musikalischen Vortrags seiner Musik zum integralen strukturellen Element der Komposition erhob. Die prinzipielle \u00dcberforderung und damit sp\u00fcrbare Anspannung des Interpreten, das <em>\u201ekonsistente \u00dcberschreiten der Grenzen des menschlich M\u00f6glichen<\/em>\u201c, wie Ferneyhough es einmal formulierte, wurde zum konstitutiven, von vornherein mitgedachten Element seiner Musik. Ferneyhoughs Partituren haben deswegen schon allein visuell eine besondere Ausstrahlung, jedoch ist bereits das korrekte Lesen und Erfassen ihrer Strukturen ein aufwendiges Unterfangen. Vor allem die hochgradige rhythmische Ausdifferenzierung mit kleinsten Notenwerten (so gibt es mitunter 512tel- oder sogar 1024tel-Noten) und kompliziertesten Schichtungen von Proportionen f\u00e4llt sofort ins Auge. Es ist fast wie bei einer gro\u00dfformatigen, detailreichen und hochaufl\u00f6senden Fotografie, die man zun\u00e4chst aus geb\u00fchrendem Abstand betrachtet, um sich dann beim n\u00e4heren Herangehen in immer weiteren Details zu verlieren und neue \u201eEntdeckungen\u201c zu machen. Beim sprichw\u00f6rtlichen \u201eHereinzoomen\u201c in die Mikroebene der Strukturen erscheint alles in nochmals h\u00f6herer Detailaufl\u00f6sung und Komplexit\u00e4t.<\/p>\n<p>Einen solch faszinierenden Detailreichtum kennzeichnet auch Ferneyhoughs neue Komposition <strong><em>Finis Terrae<\/em><\/strong>, die erst vor wenigen Tagen vom Ensemble musikFabrik beim Festival d\u2019Automne \u00e0 Paris uraufgef\u00fchrt wurde. Ferneyhough reflektiert darin das w\u00fcste, chaotisch anmutende Erscheinungsbild von Mor\u00e4nenlandschaften, also jener unwirtlichen Bereiche, in denen Gletscherbewegungen \u00fcber gro\u00dfe Zeitr\u00e4ume gewaltige Ger\u00f6ll- und Schuttablagerungen hinterlassen haben. Neben dem inspirierenden visuellen Eindruck solcher Strukturen waren es aber auch Fragen nach Zeitma\u00dfst\u00e4ben und eventuell verborgenen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten im vermeintlichen Chaos, die Ferneyhough interessierten, r\u00fchren sie doch auch an die Grundfragen und Leitmetaphern seiner kompositorischen Strategien.<\/p>\n<p>Das Ensemble von 18 Instrumentalisten erweitert Ferneyhough um sechs Vokalstimmen, die jedoch nicht solistisch behandelt, sondern vielmehr wie die Instrumentalstimmen in den Ensemblesatz integriert sind und, wie Ferneyhough ausf\u00fchrt, <em>\u201ezusammengedr\u00e4ngt in einem klaustrophobisch beengten Raum\u201c<\/em> agieren. \u00c4hnlich differenziert ausgearbeitet wie die musikalischen Strukturen ist die ihnen zugrundeliegende Textschicht. Ferneyhough leitete das Textmaterial aus wissenschaftlichen Beschreibungen von Mor\u00e4nenstrukturen ab, deren Texte er verschiedenen Transformationsprozessen unterzog.<br \/>\n<em>(Andreas G\u00fcnther) <\/em><\/p>\n<p><strong>Konzerttipp<\/strong><\/p>\n<p><strong>24. November 2012 | 20.00 Uhr<br \/>\nK\u00f6ln | Funkhaus am Wallrafplatz<br \/>\nKonzerteinf\u00fchrung: 19.30 Uhr<br \/>\nmusikFabrik im WDR<\/strong><\/p>\n<p><strong>Oscar Bettison<\/strong> | <em>Livre des Sauvages (2011)<\/em> | <strong>Europ\u00e4ische Erstauff\u00fchrung<\/strong> | f\u00fcr gro\u00dfes Ensemble | Kompositionsauftrag von Los Angeles Philharmonic Association, Kunststiftung NRW und Ensemble musikFabrik<\/p>\n<p><strong>Brian Ferneyhough<\/strong> | <em>Finis Terrae (2012)<\/em> | <strong>Deutsche Erstauff\u00fchrung<\/strong> | f\u00fcr sechs Stimmen und Ensemble | Kompositionsauftrag von Kunststiftung NRW, Festival d\u2019Automne \u00e0 Paris, Casa da M\u00fasica (Porto) und Ensemble musikFabrik<\/p>\n<p><strong>Jorge E. L\u00f3pez <\/strong>| <em>Blue Cliffs (1985\u20131988, rev. 1992\/1993)<\/em><br \/>\nf\u00fcr Ensemble<\/p>\n<p>EXAUDI<br \/>\nEnsemble musikFabrik<br \/>\nEmilio Pomarico | Dirigent<\/p>\n<p>Diese Veranstaltung findet im Rahmen von \u201c<a href=\"http:\/\/www.ontemporary.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ONtemporary<\/a>\u201d statt.<br \/>\nKarten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber: <a href=\"http:\/\/www.koelnticket.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">K\u00f6lnTicket<\/a><\/p>\n            <\/div>\r\n        <\/div>\r\n    <\/div>\r\n<\/div>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommentartext von Andreas G\u00fcnther<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":6137,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"categories":[107],"tags":[119],"class_list":["post-10111","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-article","tag-musikfabrik-im-wdr-en"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10111","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10111"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10111\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6137"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10111"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10111"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10111"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}