01.07.2019

STROM #1: As much to be seen as to be heard

--English Version (German Version Below)--

Ensemble Musikfabrik is going to launch a new concert series in July! STROM is a platform for crossmedia productions and opens up new perspectives on music and its transformation. STROM #1 on July 14th features Pierre Jodlowski - composer, performer and multimedia artist, whose works are at the crossroads of acoustic and electronic sound and are marked by dramatic and political elements. On our blog, Pierre Jodlowski gives insight into his work and his performances.

- As a multimedia artist, your work includes videos, installations and staging. How did this cross-media approach come about and what scope does it offer to your music?

Well, I started a long time ago, almost 20 years, to ask myself about staging or more deeply about the question of the function of musician’s bodies on stage. Are those bodies only dedicated to their instruments or can they interact with other parameters, such as space, gestures, movements? And therefore I started to work on the visual dimension. I must say that I never considered myself as a videast or film-maker, neither a proper stage director … all those tools are treated here as an extension (or a counterpoint) of the music. And for me, this is fantastic in the way that it increases the tools that I can manipulate in order to achieve my ideas. John Cage said that music is “as much to be seen as to be heard” and I strongly believe in this. What musicians, singers or more generally performers can achieve is way more than simply “playing an instrument”…

Pierre Jodlowski © Gilles Vidal

- You’re defining music as an “active process” on the physical level (gestures, energy and space) and on a psychological level (memory and visual dimension). Can you explain this aspect a bit more? Is there a connection to the dramatical and political dimension of your work?

Yes, definitely! I have always been in search for some kind of extra signification in my art. Generally, I am not an “abstract” artist even if I love the “power” of abstraction (in paintings for example). I think that I simply need to express some inner anger linked with our world which is basically not so much better than in the past darkest ages. So I am always trying to “input” some critical dimension in my pieces, sometimes with strong or dark elements, sometimes with humour, as I think that this is the best tool to finally achieve stronger criticism. But the concept of “active music” is also very much linked with what I call “sounding memories” . Each of us has a very strong and complex relation with any kind of sound which can be very meaningful (as they would be part of our lives) or insignificant. And I like to “insert” concrete sounds or referential sounds which can built some specific networks inside of our imagination as they are triggering connections.

- Together with the musicians of Ensemble Musikfabrik, you play a selection of your compositions in Bogen 2 in Cologne for the kick-off concert. Can you tell us a bit about the selection of the pieces that can be experienced in July?

We constructed this program together and basically, I had two goals : firstly, I wanted to show some pieces that I wrote at different periods of my artistic production. The oldest piece, named “IS IT THIS ?” was composed when I was in residency at Akademie der Künste in Berlin, almost 20 years ago, and the most recent one “OUTERSPACE” was first performed in March 2018. I really enjoy to conceive programs like this as it is a very strong way to measure how time is relevant. The second goal was to create a very specific evening according to the space, Bogen 2, which is a very special venue. Therefore, I proposed to work on four different spaces or stages, meaning that the audience will be able to move and enjoy the architecture during the concert. All those pieces are including amplification, electronics, lights, video, pictures … so it will be a kind of portrait of what I enjoy to do and I am so pleased that I can work with Ensemble Musikfabrik in such a great context.

OUTERSPACE © Noémie Le-Lay Merillon

--German Version--

Im Juli startet das Ensemble Musikfabrik eine neue Konzertreihe! STROM ist Plattform für Crossmedia-Produktionen und eröffnet neue Perspektiven auf Musik und ihre Transformationen. Pierre Jodlowski - Komponist, Performer und Multimedia-Künstler, eröffnet mit uns STROM #1 am 14. Juli mit Werken an der Schnittstelle von akustischem und elektronischem Klang - mit dramatischer sowie politischer Prägung. Pierre Jodlowski gibt in unserem Blog Einblicke in sein Werk und seine Inszenierungen.

- Als Multimedia-Künstler umfasst deine Arbeit Videos, Installationen und Performances. Wie ist dieser crossmediale Ansatz entstanden und welche Auswirkungen hat er für deine Musik?

Nun, ich habe vor langer Zeit, vor fast 20 Jahren, angefangen, mir Fragen über Inszenierungen zu stellen oder vielmehr über die Frage nach der Funktion der Körper der Musiker auf der Bühne. Sind diese Körper nur ihren Instrumenten gewidmet oder können sie mit anderen Elementen wie Raum, Gesten, Bewegungen interagieren? Und so begann ich, an der visuellen Dimension zu arbeiten. Ich muss sagen, dass ich mich nie als Videokünstler oder Filmemacher betrachtet habe, auch nicht als ein richtiger Regisseur ... all diese Werkzeuge werden hier als Erweiterung (oder als Kontrapunkt) der Musik behandelt. Und für mich ist das eine fantastische Art und Weise diese Werkzeuge auszubauen, die ich dann manipulieren kann, um meine Ideen zu verwirklichen. John Cage sagte, dass Musik "gleichermaßen zu sehen wie zu hören ist" und das glaube ich auch. Was Musiker, Sänger oder generell Interpreten erreichen können, ist weit mehr als nur "ein Instrument spielen"...

- Du definierst Musik als "aktiven Prozess" auf der physischen Ebene (Gesten, Energie und Raum) und auf der psychologischen Ebene (Erinnerung und visuelle Dimension). Kannst du diesen Aspekt etwas mehr erklären? Gibt es dazu einen Zusammenhang mit der dramatischen und politischen Dimension deiner Arbeit?

Ja, definitiv! Ich war immer auf der Suche nach einer Art zusätzlichen Bedeutung in meiner Kunst. Im Allgemeinen bin ich kein "abstrakter" Künstler, auch wenn ich die "Kraft" der Abstraktion liebe (z.B. in Bildern). Ich denke, dass ich einfach eine innere Wut im Zusammenhang mit unserer Welt verarbeiten muss, die im Grunde genommen nicht so viel besser ist als in den vergangenen dunkelsten Zeiten. Deshalb versuche ich immer, eine kritische Dimension in meinen Stücken einzubauen, manchmal mit starken oder dunklen Elementen, manchmal mit Humor, da ich denke, dass dies das beste Werkzeug ist, um schließlich starke Kritik zu äußern. Aber das Konzept von “aktiver Musik” ist sehr mit dem verbunden, was ich "klingende Erinnerungen" nenne. Jeder von uns hat eine sehr starke und komplexe Beziehung zu jeder Art von Klang, da er, als Teil unseres Lebens, entweder voller Bedeutung oder bedeutungslos sein kann. Und ich füge gerne konkrete oder referenzielle Klänge ein, die bestimmte Netzwerke in unserer Vorstellung aufbauen können und Konnotationen auslösen.

OUTERSPACE © Noémie Le-Lay Merillon

- Für das Auftaktkonzert in Köln spielst du gemeinsam mit den Musikern des Ensemble Musikfabrik eine bestimmte Auswahl deiner Kompositionen. Wie kam diese Auswahl der Stücke zusammen?

Wir haben dieses Programm gemeinsam entwickelt und im Grunde genommen hatte ich zwei Ziele: Erstens wollte ich einige Stücke zeigen, die ich in verschiedenen Perioden meiner künstlerischen Arbeit geschrieben habe. Das älteste Stück mit dem Namen "IS IT THIS ?" entstand während meines Aufenthaltes an der Akademie der Künste in Berlin vor fast 20 Jahren, und das jüngste "OUTERSPACE" wurde im März 2018 uraufgeführt. Ich mag es sehr, solche Programme zu konzipieren, um nachzuvollziehen, wie relevant Zeit ist. Das zweite Ziel war es, einen ganz bestimmten Abend angepasst an die Räumlichkeiten des Bogen 2 zu gestalten, der ein ganz besonderer Ort ist. Deshalb habe ich vorgeschlagen, an vier verschiedenen Stellen oder Bühnen zu arbeiten, sodass das Publikum während des Konzertes die Architektur genießen und sich bewegen kann. Alle diese Stücke beinhalten Verstärkung, Elektronik, Licht, Videos, Bilder … so wird es eine Art Porträt dessen sein, was mir Spaß macht. Ich bin sehr froh, dass ich mit dem Ensemble Musikfabrik in einem so großartigen Kontext arbeiten kann.