07.05.2021

Dirk Wietheger - 20 Jahre Ensemble Musikfabrik

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Dirk Wietheger

 

---ENGLISH version below---

Seit April 2001 ist Dirk Wietheger Mitglied des Ensembles Musikfabrik. Nachdem er die Musiker*innen bereits ab Januar als Gastmusiker unterstützt hatte, gab der Cellist sein Debüt als Ensemblemitglied am 15. Mai desselben Jahres mit einem Porträtkonzert von Christoph Staude in der Alten Feuerwache Köln. 

Wie bist du zum Ensemble Musikfabrik und zur neuen Musik ganz allgemein gekommen?

Das ist tatsächlich eine ziemlich unspektakuläre Geschichte. Ich war auf Stellensuche und war hier bei einem Probespiel und das war dann letzten Endes auch erfolgreich. Es hat aber auch einfach gut gepasst, da ich mich während meines Studiums schon sehr für zeitgenössische Musik interessiert hatte. Damals hatte ich im Ensemble der Hannoveraner Hochschule mitgewirkt und viele Klassiker der zeitgenössischen Musik kennengelernt – zum Beispiel Webern, Xenakis, Scelsi, Berio, Lachenmann. Festgelegt, beruflich unbedingt in der neuen Musik zu arbeiten, war ich allerdings nicht. Somit bin ich umso glücklicher, hier gelandet zu sein, da ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt habe.

Wenn du auf die letzten zwanzig Jahre zurückblickst - gibt es da ein Ereignis, das dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Da denke ich als erstes an Mauricio Kagel, mit dem wir bis zu seinem Tod sehr intensiv zusammengearbeitet haben. Da gab es immer wieder ganz wunderbare Konzerte und Tourneen mit ihm als Dirigenten. Das war prägend, da mich seine Persönlichkeit sehr fasziniert hat. Besonders schön fand ich, wie begeistert er von seiner eigenen Musik war. Ich finde, man muss, wenn man komponiert oder sich generell künstlerisch betätigt, wirklich lieben, was man tut. Und diese Liebe konnte er unheimlich gut vermitteln. Da war und ist er für mich ein sehr großes Vorbild. 

Gibt es Stücke oder Komponisten, von denen du in den nächsten zwanzig Jahren unbedingt etwas spielen möchtest?

Da würde mir einiges einfallen. Gerade von den besagten Klassikern habe ich noch längst nicht alles gespielt. Die Literatur ist so vielfältig, da fällt es mir sehr schwer, mich zu entscheiden. Ein Solostück wäre zum Beispiel “Nomos Alpha” von Xenakis, da auch Xenakis ein sehr wichtiger Komponist ist und es für mich faszinierend ist, wie er Struktur und Emotion miteinander verknüpft. Man denkt ja häufig, Musik müsse emotional sein - ist sie irgendwie auch - aber er, als gelernter Architekt, hat sehr viel Strenge und Struktur in seine Musik gebracht hat - nichts Willkürliches - und gerade dadurch entsteht eine ganz besondere Kraft.

Du sprachst gerade davon, dass Du Dich im Ensemble sehr wohl fühlst. Was macht das Ensemble so besonders für Dich? 

Hier im Ensemble sind wir sehr unterschiedliche Charaktere und Persönlichkeiten, aber wir pflegen eine äußerst angenehme Gemeinschaft. Man wird hier nicht nur angenommen, wie man ist, sondern: So wie man persönlich ist, genauso wird man hier auch gebraucht und kann sich einbringen. Das ist nicht selbstverständlich und ist ein sehr, sehr schönes Gefühl.

Interview: Julia Mädrich

---ENGLISH Version---

Dirk Wietheger has been a member of the Ensemble Musikfabrik since April 2001. After supporting the ensemble as a guest musician from January, the cellist made his debut as a member on May 15 of the same year with a portrait concert of Christoph Staude at the Alte Feuerwache in Cologne. 

How did you get involved with Ensemble Musikfabrik and contemporary music in general?

That story is actually pretty unspectacular. I was looking for a job and was here for an audition, which was ultimately successful. But it was also a good fit, because I had already been very interested in contemporary music during my studies. At that time, I had participated in the ensemble of the Hanover University of Music and got to know many classics of contemporary music - for example Webern, Xenakis, Scelsi, Berio, Lachenmann. However, I was not determined to work in new music as a career. So I'm even happier to have ended up here, because I felt very comfortable from the very beginning.

Looking back on the last twenty years - is there an event that has particularly stuck in your memory?

This question makes me think directly of Mauricio Kagel, with whom we worked very intensively until his death. There were always wonderful concerts and tours with him as conductor. That was formative, because his personality fascinated me very much. I especially liked how enthusiastic he was about his own music. I think that when you compose or are artistic in general, you really have to love what you do. And he was able to convey this love incredibly well. He was and is a very great role model for me. 

Are there any pieces or composers you would love to play in the next twenty years?

I could think of a few. I haven't played all of the aforementioned classics by a long shot. The literature is so diverse that it is very difficult for me to decide. A solo piece would be "Nomos Alpha" by Xenakis, for example, because Xenakis is also a very important composer and it is fascinating to me how he combines structure and emotion. People often think that music has to be emotional - and in a way it is - but he, as a trained architect, has brought a great deal of rigor and structure into his music - nothing arbitrary - and it is precisely this that creates a very special power.

You just mentioned that you feel very comfortable in the ensemble. What makes the ensemble so special for you?

In the ensemble we are very different characters and personalities, but we maintain an extremely pleasant community. You are not only accepted here for who you are, but also: Just as you are personally, you are also needed here and can contribute. That is not a given and is a very, very nice feeling.

Interview: Julia Mädrich

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