{"id":9520,"date":"2018-02-06T12:57:46","date_gmt":"2018-02-06T11:57:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/?p=9520"},"modified":"2022-06-27T13:00:56","modified_gmt":"2022-06-27T11:00:56","slug":"intermezzi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/blog\/intermezzi\/","title":{"rendered":"Intermezzi"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce ce-onecol \" >\r\n    <div class=\"container\">\r\n        <div class=\"row\">\r\n            <div class=\"col\">\r\n\t\t\t\t<p><strong>Florentin Ginot:<\/strong>\u00a0Du hast deine Recherche f\u00fcr\u00a0<em>Intermezzi<\/em>\u00a0begonnen, indem du dich mit jeder Musikerin und jedem Musiker einzeln getroffen hast und uns gefragt hast, wie wir uns gerne in dieses Werk einbringen wollen. Wie bist du mit all diesem Material umgegangen?<\/p>\n<p><strong>George Aperghis:<\/strong>\u00a0Es war eine Gelegenheit, euch alle mit euren individuellen musikalischen Interessen kennenzulernen. Das h\u00e4lt mich davon ab, ein rein abstraktes St\u00fcck zu schreiben, bei dem ich alle Entscheidungen selbst treffe. Das kann auch passieren, aber hier hatte ich die M\u00f6glichkeit euch zu treffen! (lacht) Jeder Musiker kam mit etwas anderem: Manche wollten singen, sprechen, das Instrument in eine bestimmte Richtung dr\u00e4ngen, manchmal mit Erweiterungen, wie im Fall der Doppeltrichter-Instrumente. Kurz gesagt, es war eine Chance, ein Gef\u00fchl f\u00fcr die Neugierde eines jeden Musikers zu bekommen, und dabei \u2026<\/p>\n<p>FG: Den Musiker\u00a0<em>zu erweitern<\/em>?<\/p>\n<p>GA: Genau \u2013 eigentlich geht es um den Musiker mit Erweiterungen.\u00a0Wenn einmal alles gesagt und niedergeschrieben wurde, ist es mein Job euch neu zu erfinden. Erst, euch zu vergessen und dann euch neu zu erfinden. Es ist so, als h\u00e4tte ich alles getr\u00e4umt &#8211; was mir dann erscheint sind imagin\u00e4re Portraits, in all ihren unterschiedlichen Farben.\u00a0Ich habe wirklich das Gef\u00fchl, dass die Art, wie ihr euch verhaltet, nicht nur am Instrument aber auch im Caf\u00e9 oder im Restaurant, eine gro\u00dfe Rolle spielt. Ich kann sehen, wie einer von euch ein bisschen verschmitzt ist, ein anderer ist sch\u00fcchtern\u2026 es gibt viel wahrzunehmen. Das ist auch mein Stil bei der Inszenierung meiner St\u00fccke: Ich sehe viel zu und mache mir st\u00e4ndig Notizen. Jetzt, da ich diese tiefe musikalische Freundschaft mit euch eingegangen bin, zwingt sie mich ein St\u00fcck zu schreiben, dass nicht dasselbe ohne diesen Prozess w\u00e4re.\u00a0<em>Intermezzi<\/em>\u00a0\u00fcberrascht mich selbst &#8211; der Prozess \u00fcberrascht mich.<\/p>\n<p>FG: Du hast vor einiger Zeit erw\u00e4hnt, dass dieses St\u00fcck ein Wendepunkt f\u00fcr dich ist, eine Ver\u00e4nderung in deiner Art zu arbeiten?<\/p>\n<p>GA: Ja, das ist die eigentliche Idee von\u00a0<em>Intermezzi<\/em>\u00a0&#8211; Zwischenmusiken. Das hei\u00dft, dass da ein unheimlicher Berg an Material ist, der am Ende keine Zugeh\u00f6rigkeit, keine Rolle, keine Funktion, keine Folge hat. Das Material, wartet nur. Ich habe mich daf\u00fcr entschieden nicht irgendetwas \u2018zu bauen\u2019, kein sichtbares Konstrukt \u00fcber diese verschiedenen heterogenen Materialien zu st\u00fclpen, die alle in verschiedene Richtungen gehen, sondern im Gegenteil, der Idee der Zwischenspiele zu folgen. Mit anderen Worten: Es ist eine Klammer die sich \u00f6ffnet, innerhalb derer sich eine andere Klammer \u00f6ffnet, die sich wieder schlie\u00dft und so weiter\u2026 Das hei\u00dft, dass ich keinen Plan habe, au\u00dfer der Form. Am Ende habe ich nichts zu sagen, au\u00dfer euch spielen zu lassen, euch die Bestandteile abliefern zu lassen, gem\u00e4\u00df dem Eindruck, den ich von euch habe. Diese Teile erscheinen an verschiedenen Positionen, wie ein sich bewegendes Karussell &#8211; das Publikum entdeckt sie immer wieder in einer anderen Syntax.<\/p>\n<p>FG: Inszenierst du letztendlich die K\u00f6rper der Musiker auf der B\u00fchne?<\/p>\n<p>GA: Ich inszeniere die Musik eines jeden Musikers, und dann nat\u00fcrlich ihre K\u00f6rper, in Verbindung mit der Musik. Wenn die verschiedenen Elemente in verschiedenen Richtungen und Umgebungen wiederkehren, muss der Zuh\u00f6rer sein Ged\u00e4chtnis anwenden. Ich habe nichts Konkretes zu sagen \u2013 ich schweife ab, ich \u00f6ffne klammern, ich schlie\u00dfe sie wieder. Das sind nichts als Zwischenspiele. Hier kommt auch die Schwierigkeit her, an einer zugrundeliegenden Konstruktion festzuhalten: die Authentizit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit jedes Fragments beizubehalten&#8230; Gleichzeitig soll das St\u00fcck organisch sein. Es muss einen K\u00f6rper geben, einen gro\u00dfen K\u00f6rper, der atmet&#8230;<\/p>\n<p>FG: Wie hast du dir am Ende den Einsatz der K\u00fcnstler auf der B\u00fchne vorgestellt, die Energie, die du mit dem St\u00fcck anstrebst?<\/p>\n<p>GA: Ich kann hierauf keine richtige Antwort geben, weil ich noch nicht gesehen habe, wie ihr es spielt! Ich kann mir vorstellen, dass es euch eine Menge Energie abverlangt, von der ich glaube, dass ihr sie habt. Ich h\u00e4tte so ein St\u00fcck nicht f\u00fcr ein Ensemble ohne Energie geschrieben. (lacht) Ich bin nicht selbstmordgef\u00e4hrdet! Diese Energie kann neben der Musik weitere Charakteristika zeigen, die auf der B\u00fchne interessant sein k\u00f6nnten. Gibt es Dinge die wir mit dieser Energie weitertreiben k\u00f6nnen? K\u00f6nnen wir euren Stil, auf der B\u00fchne zu spielen, einf\u00e4rben, \u00fcbertreiben? Vielleicht sollte ich sagen: Alles ist in der Musik und es gibt nichts zu sehen. Oder vielleicht: Wie k\u00f6nnen wir mit szenischen oder k\u00f6rperlichen Elementen spielen, so dass das Material eine ganz neue Bedeutung annimmt?<\/p>\n<p>FG: Was mich sehr interessiert: Wie vergegenw\u00e4rtigst du die Energie, die w\u00e4hrend der Performance zu sp\u00fcren ist, wenn du allein an deinem Schreibtisch sitzt, bevor du uns \u00fcberhaupt spielen geh\u00f6rt hast? Wie, glaubst du, kommt diese Energie auf?<\/p>\n<p>GA: Ich habe das Ensemble vor ein paar Jahren bei der Preisverleihung des Mauricio Kagel Musikpreises spielen sehen. Ihr habt ein St\u00fcck von Kagel aus dem Windrose Zyklus gespielt. Dieser Moment hat sich mir als deutliches Bild eingepr\u00e4gt \u2013 etwas, das manchmal bei einer ersten Begegnung passiert. Danach haben wir uns kennengelernt, ich habe andere Musik von euch geh\u00f6rt, andere Kl\u00e4nge. Ich habe auch Rebecca Saunders gesehen, die mit euch w\u00e4hrend einer\u00a0Campus Musikfabrik\u00a0Phase gearbeitet hat, zu der ihr uns beide eingeladen hattet. Das war sehr wichtig f\u00fcr mich: Ich konnte andere Seiten von euch sehen, die sie herausforderte, ganz andere Sachen als die, die ich verlangte. Wir bewegen uns in v\u00f6llig verschiedene Richtungen.<\/p>\n<p>Um meine Energie zu finden, mache ich mir das Wissen zu Nutze, dass das Ensemble sie auch r\u00fcberbringen wird. Ich bin immer auf der Suche nach Zuf\u00e4llen \u2013 f\u00fcr mich ist es dort am interessantesten, wo meine k\u00fcnstlerischen Problemstellungen mit dem zusammentreffen, was die Musiker mir anbieten.<\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrte Florentin Ginot am 23. M\u00e4rz 2016 in K\u00f6ln. Eine ausf\u00fchrliche Fassung erschien in der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.musikderzeit.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neuen Zeitschrift f\u00fcr Musik<\/a>.<\/p>\n            <\/div>\r\n        <\/div>\r\n    <\/div>\r\n<\/div>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Georges Aperghis \u00fcber sein neues St\u00fcck Intermezzi f\u00fcr das Ensemble Musikfabrik, das am 17. M\u00e4rz bei der musica viva des Bayerischen Rundfunks uraufgef\u00fchrt wird.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":2635,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"categories":[88],"tags":[],"class_list":["post-9520","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interview"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9520","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9520"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9520\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9523,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9520\/revisions\/9523"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2635"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9520"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9520"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9520"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}