{"id":9154,"date":"2018-11-14T13:02:53","date_gmt":"2018-11-14T12:02:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/?p=9154"},"modified":"2022-05-04T13:09:32","modified_gmt":"2022-05-04T11:09:32","slug":"alban-wesly-abschied-nach-22-jahren-musikfabrik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/blog\/alban-wesly-abschied-nach-22-jahren-musikfabrik\/","title":{"rendered":"Alban Wesly: Abschied nach 22 Jahren Musikfabrik"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce ce-onecol \" >\r\n    <div class=\"container\">\r\n        <div class=\"row\">\r\n            <div class=\"col\">\r\n\t\t\t\t<p>Als ich im Fr\u00fchjahr 1996 gefragt wurde, in Essen ein Konzert bei der musikFabrik mitzuspielen, war das f\u00fcr mich der Anfang einer Verbindung von unz\u00e4hligen musikalischen, sozialen, kulinarischen und sonstigen lehrsamen Erfahrungen. Auf dem Programm: Harrison Birtwistles \u2018Secret Theater\u2019, unter der Leitung von Johannes Kalitzke. Nicht viel sp\u00e4ter wurde ich als Mitglied eingeladen. In den folgenden Jahren d\u00fcrfte ich viele H\u00f6hepunkte (wie auch Tiefpunkte) miterleben. Gleichzeitig lebte ich ein musikalisches Doppelleben, da ich seit 1985 auch Mitglied bin vom Amsterdamer \u2018reed quintet\u2019\u00a0<a href=\"https:\/\/calefax.nl\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Calefax<\/a>. Die Konzertzahl beider Ensembles ist enorm gestiegen, und damit hat sich die Kombinierbarkeit beider Mitgliedschaften proportional gesenkt. Da ich im September 2018 auch noch angefangen habe, Fagott zu unterrichten am \u2018Koninklijk Conservatorium\u2019 in Den Haag, wurde es unvermeidlich, mich zu verabschieden von meinen K\u00f6lner Freunden. In Dankbarkeit schreibe ich hier einen kurzen Blogeintrag.<\/p>\n<h3><strong>Zum Abschied nach 22 Jahren Musikfabrik<\/strong><\/h3>\n<p>Mich nach 22 Jahren von der Musikfabrik zu verabschieden\u2014 das ist nat\u00fcrlich ein Anlass, zur\u00fcckzuschauen. Gro\u00dfe R\u00fcckblicke liegen nicht in meiner Natur, aber ich habe schon gemerkt: je \u00e4lter man wird, desto mehr Spa\u00df macht es!<\/p>\n<p>Wie sehr ich das Fagott spielen auch liebe, und ebenso das richtig feine Zusammenspiel, das in einem Ensemble gefordert wird \u2014 es sind doch die \u2018Ausnahme-Projekte\u2019 die mich am meisten gepr\u00e4gt haben. \u2018Ausnahme\u2019 im Sinne von Instrumentierung, Theatralit\u00e4t oder etwa dem Entwicklungsprozess.<\/p>\n<h3><strong>Projekte<\/strong><\/h3>\n<p><em>John Cage\u00a0<\/em>(1998)<br \/>\nDas erste Projekt in der \u2018Ausnahme\u2019-Kategorie war bereits 1998, damals wurde \u2018Ensemble Musikfabrik\u2019 noch als \u2018musikFabrik\u2019 geschrieben, und waren wir zu Hause in D\u00fcsseldorf, in der Orangerie von Schloss Benrath. Dort arbeiteten wir wochenlang mit der Choreografin Reinhild Hoffmann an vielen St\u00fccken von John Cage, und entwickelten ein Projekt das schlie\u00dflich &#8218;asK Little autO where it wantS to Take You\u2019 hie\u00df. In dem \/Das Projekt, die Gedankenwelt und Herangehensweise von John Cage kennenzulernen und sich ein wenig anzueignen, war eine Bereicherung meines Lebens, die ich immer noch in mir trage, beim Musizieren sowie im Alltag. F\u00fcr mich hei\u00dft das: mit Offenheit allen Situationen gegen\u00fcber zu treten, (etwa) zu versuchen, alle m\u00f6glichen Kl\u00e4nge als Musik zu betrachten, aber auch den Zufall zu lieben. Warum &#8218;asK Little autO where it wantS to Take You\u2019 so komisch geschrieben wird? Weil es ein \u2018Akrostichon\u2019 ist, ein Art Wortspiel mit dem Namen KLOSTY, James, ein Fotograf und Freund von Cage. (Und ja, ich liebe Wort- oder Sprachspiele! So einmal, zweimal im Jahr h\u00f6re ich einen Satz der \u2018wahrscheinlich noch nie gesagt wurde\u2019, dann freue ich mich immer und denke zur\u00fcck an den Moment in der D\u00fcsseldorfer Tonhalle in 2005, wo wir Zeuge einer tollen \u2018Urauff\u00fchrung\u2019 eines Satzes der Deutschen Sprache waren: Wir waren beteiligt an einem Musiktheatralischen Nachwuchs-Projekt und der Leiter hatte allen Kindern eine bestimmte Katzen-Rolle gegeben. Kurz vor der letzten Probe sagte er den wunderbaren und wahrscheinlich so noch nie ausgesprochene Satz \u201cDie Clown-Katze ist leider noch in der Koran-Schule\u201d. Irgendwie glaube ich, dass John Cage so einen Satz auch geliebt h\u00e4tte.)<\/p>\n<p><em>MVRDV<\/em>\u00a0(2002)<br \/>\nIm Nachhinein ist mir sehr bewusst, wie au\u00dfergew\u00f6hnlich das Vertrauen war, das mir 2002 geschenkt wurde, als das Ensemble mir die Projektleitung \u00fcberlie\u00df, mit dem Ziel eine Klanginstallation zu realisieren bei einer interaktiven Ausstellung der Rotterdamer Architekten-Gruppe MVRDV, im NRW Forum in D\u00fcsseldorf. Zwei Tage lang wurden Aufnahmen gemacht, mit elf Musikern im wunderbaren ZKM Karlsruhe, mit Musik und Text-Fragmenten. Die Aufnahmen liefen wunderbar, die Weiterentwicklung des Projektes aber nicht: bei der Er\u00f6ffnung der Ausstellung war eine armselige, nicht-interaktive Klangspur zu h\u00f6ren, die etwa 1% meiner beabsichtigten Ziele darstellte. Warum ich dies trotzdem hier erw\u00e4hne: weil ich in dem Projekt gelernt habe, was es bedeutet, Verantwortung zu tragen, und weil die Kollegen mir den Misserfolg nie richtig (\u00f6ffentlich) \u00fcbelgenommen haben. Und nicht zuletzt weil, wie Johan Cruyff immer sagte, \u2018jeder Nachteil seinen Vorteil hat\u2019: mit den Aufnahmen aus Karlsruhe habe ich schlie\u00dflich eine Collage gemacht, die f\u00fcr mich jetzt noch einen gro\u00dfen Wert hat, auch weil die Stimmen vieler Kollegen, ex-Kollegen und einige gesch\u00e4tzte Gastmusiker darin zu h\u00f6ren sind.<br \/>\nDie Collage ist\u00a0<a href=\"https:\/\/soundcloud.com\/albwes\/mvrdv-sound-scape\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>\u00a0zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p><em>Delusion of the Fury<\/em>\u00a0 (2013)<br \/>\nDas letzte Sonderprojekt, das ich hier erw\u00e4hnen m\u00f6chte, war 2013 die Inszenierung von Heiner Goebbels Harry Partchs Delusion of the Fury. Selten habe ich mich so privilegiert gef\u00fchlt \u2014 welcher Fagottist in der Welt darf in einer Vorstellung Schwertfechten, singen (als Pilger) und musizieren auf Instrumenten wie Spoils of War und Chromelodeon?<\/p>\n<p>Diese Auflistung reicht vielleicht f\u00fcr jetzt, auch wenn die Liste der \u2018Ausnahme-Projekte\u2019 noch viel l\u00e4nger sein k\u00f6nnte. Vielleicht ist das der Grund, warum ich mich so lange in der MUFA wohl gef\u00fchlt habe: Ausnahmen sind hier eher Regel.<\/p>\n<h3><strong>Menschen<\/strong><\/h3>\n<p>W\u00e4hrend des Schreibens dieser R\u00fcckschau (es gef\u00e4llt mir immer besser!) kommt in mir von alleine ein Sch\u00fcsselwort hoch, und zwar \u2018Verbindung\u2019. Die Verbindung mit Kollegen, Dirigenten, Komponisten, Solisten, Regisseuren, Musik und Ideen. \u00dcber die Jahre sind mir so viele ans Herz gewachsen! Bauckholt, E\u00f6tv\u00f6s, Haas, Harvey, Kagel, Lachenmann, Lim, Rykova, Saunders, Stockhausen. Es sind nur zehn Namen von \u00fcber hundert Komponisten, mit denen ich beim Ensemble Musikfabrik zusammenarbeiten durfte.<\/p>\n<p>Mit vielen davon habe ich viel Zeit damit verbracht, die M\u00f6glichkeiten und Unm\u00f6glichkeiten von meinem Instrument zu zeigen, was immer interessant und fast immer auch lustig war. Und hoffentlich hilfreich f\u00fcr viele Kompositionen, die zuk\u00fcnftig noch entstehen. Und, wenn wir dabei sind\u2026 ein Fagott Solo-St\u00fcck von Rebecca Saunders oder Helmut Lachenmann steht noch hoch auf meiner Wunschliste!<\/p>\n<p>Wichtigster Bestandteil von den erw\u00e4hnten Verbindungen sind aber nat\u00fcrlich meine direkten Kollegen \u2014 Musiker und B\u00fcro-Kollegen! Ich habe 22 Jahren mit euch \u2018herumgehupt\u2019. Schon sch\u00f6n herumgehupt: in vielen L\u00e4ndern von Europa, bis Mexico, Japan, Taiwan und den Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p>Dankbar bin ich, am\u00a003.12.2018 ein Abschiedskonzert\u00a0kuratieren zu d\u00fcrfen, bei dem viele meiner Kollegen noch einmal zusammenkommen. Ich freue mich, das Konzert zu beenden mit John White\u2019s good old \u2018Drinking and Hooting Machine\u2019, denn wenn eines noch mehr verbindet als zusammen zu trinken, dann ist es zusammen zu musizieren.<\/p>\n<p><em>Amsterdam, Oktober 2018<\/em><\/p>\n            <\/div>\r\n        <\/div>\r\n    <\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ce ce-twocol \" >\r\n    <div class=\"container\">\r\n        <div class=\"row\">\r\n            <div class=\"col col-custom-1\">\r\n\t\t\t\t\n<div class=\"brlbs-cmpnt-container brlbs-cmpnt-content-blocker brlbs-cmpnt-with-individual-styles\" data-borlabs-cookie-content-blocker-id=\"youtube-content-blocker\" data-borlabs-cookie-content=\"PGRpdiBjbGFzcz0icmVzcG9uc2l2ZS12aWRlbyI+PGlmcmFtZSB0aXRsZT0iRW5zZW1ibGUgTXVzaWtmYWJyaWsgfCBLbGFuZyBkZXIgV29jaGUgfCBtaXQgQWxiYW4gV2VzbHkiIHdpZHRoPSI1MDAiIGhlaWdodD0iMjgxIiBzcmM9Imh0dHBzOi8vd3d3LnlvdXR1YmUtbm9jb29raWUuY29tL2VtYmVkL3VWRmVldEZjcjdFP2ZlYXR1cmU9b2VtYmVkJnNob3dpbmZvPTAiIGZyYW1lYm9yZGVyPSIwIiBhbGxvdz0iYWNjZWxlcm9tZXRlcjsgYXV0b3BsYXk7IGNsaXBib2FyZC13cml0ZTsgZW5jcnlwdGVkLW1lZGlhOyBneXJvc2NvcGU7IHBpY3R1cmUtaW4tcGljdHVyZTsgd2ViLXNoYXJlIiByZWZlcnJlcnBvbGljeT0ic3RyaWN0LW9yaWdpbi13aGVuLWNyb3NzLW9yaWdpbiIgYWxsb3dmdWxsc2NyZWVuPjwvaWZyYW1lPjwvZGl2Pg==\">\n<div class=\"brlbs-cmpnt-cb-preset-c brlbs-cmpnt-cb-youtube\">\n<div class=\"brlbs-cmpnt-cb-thumbnail\" style=\"background-image: url('https:\/\/www.musikfabrik.eu\/wp-content\/uploads\/borlabs-cookie\/1\/yt_uVFeetFcr7E_hqdefault.jpg')\"><\/div>\n<div class=\"brlbs-cmpnt-cb-main\">\n<div class=\"brlbs-cmpnt-cb-play-button\"><\/div>\n<div class=\"brlbs-cmpnt-cb-content\">\n<p class=\"brlbs-cmpnt-cb-description\">Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von <strong>YouTube<\/strong>. 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