{"id":8774,"date":"2019-10-14T10:38:21","date_gmt":"2019-10-14T08:38:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/?p=8774"},"modified":"2022-04-04T10:47:52","modified_gmt":"2022-04-04T08:47:52","slug":"sound-choreographer-ann-cleare","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/blog\/sound-choreographer-ann-cleare\/","title":{"rendered":"Sound Choreographer Ann Cleare"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce ce-onecol \" >\r\n    <div class=\"container\">\r\n        <div class=\"row\">\r\n            <div class=\"col\">\r\n\t\t\t\t<p>Ein Text \u00fcber die Komponistin Ann Cleare, die mit dem Komponistenpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung 2019 ausgezeichnet wurde. Am 24. Oktober spielen wir in der Trinitatiskirche in K\u00f6ln ein Portr\u00e4tkonzert mit einer offenen Einf\u00fchrung von Ann Cleare und Helen Bledsoe.<\/p>\n<h3><span class=\"diamonds-normal\">Klangchoreographin<\/span><br \/>\nDie irische Komponistin Ann Cleare<\/h3>\n<p>Wenn die irische Komponistin Ann Cleare \u2013 1983 in County Offaly geboren \u2013 \u00fcber ihre Musik spricht, sind Bilder ihr bevorzugtes Mittel der Beschreibung. Von \u00bbkinetischen Wirbelst\u00fcrmen\u00ab kann dann die Rede sein, von \u00bbsilbernem Nebel\u00ab, \u00bbKobaltwellen\u00ab, \u00bbgrauer Substanz\u00ab, \u00bbeinem Ozean aus Bewegung\u00ab oder einer \u00bbSchachtel Licht\u00ab. Solche Metaphern dienen Cleare allerdings keineswegs dazu, blo\u00df vage Ann\u00e4herungen an das Klingende zu schaffen, gewisserma\u00dfen die Sprachferne der Musik im Bild zu kompensieren. Im Gegenteil: Ihre Verbildlichungen beschreiben mit frappierender Pr\u00e4zision das, was zu h\u00f6ren ist. Die Metapher klingt, das Bild wird akustisch erfahrbar.<br \/>\nSo sind etwa die \u00bbkinetischen Wirbelst\u00fcrme\u00ab in der 2016 entstandenen Komposition on magnetic fields eine exakte Wiedergabe der klanglich-r\u00e4umlichen Disposition dieser Musik. Zwei Ensemblegruppen formen Zyklone aus Klang, in deren Augen jeweils eine solistische Violine als Energiezentrum steht. Und wenn Ann Cleare dann davon spricht, dass diese Violinen die sie umgebenden Ensembles \u00bbmagnetisch aufladen\u00ab und \u00bbentz\u00fcnden\u00ab, wird klar, wie die Komponistin ihre Musik versteht: als ein explizit k\u00f6rperhaftes Medium, als ein Ph\u00e4nomen, das sich im Zwischenbereich von Klang, Physik und bewegter Skulptur aufh\u00e4lt.<\/p>\n            <\/div>\r\n        <\/div>\r\n    <\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ce ce-twocol \" >\r\n    <div class=\"container\">\r\n        <div class=\"row\">\r\n            <div class=\"col col-custom-1\">\r\n\t\t\t\t<p>\u00bbMeine Arbeit\u00ab, erl\u00e4utert Ann Cleare, \u00bberforscht die statische und skulpturale Natur des Klangs und sondiert die Extreme von Timbre, Textur, Klangfarbe und Form. Mein Ziel ist es, k\u00f6rperliche Klangr\u00e4ume zu schaffen, die den H\u00f6rer dazu anregen, der Komplexit\u00e4t unserer Umgebung nachzusp\u00fcren und \u203aPoetiken\u2039 der Wahrnehmung zu schaffen\u00ab. In diesem Sinne komponiert Cleare eine innige, kunstvolle Musik, die im ersten Moment fast unnahbar wirkt. Als H\u00f6rer f\u00fchlt man sich zun\u00e4chst wom\u00f6glich verunsichert \u2013 als beobachte man ein Wesen, das sich alleine w\u00e4hnt und das man versehentlich aufschrecken k\u00f6nnte. Rasch wird allerdings klar, dass man ohne weiteres Teil dieses Geschehens sein kann: \u00bbMeine Musik\u00ab, sagt die Komponistin, \u00bbist eine r\u00e4umliche Choreographie, die ganz und gar nicht abstrakt ist, sondern ein Terrain erzeugt, das mit t\u00f6nenden Gestalten bev\u00f6lkert ist\u00ab.<\/p>\n            <\/div>\r\n            <div class=\"col col-custom-2\">\r\n\t\t\t\t<figure><img decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3437 size-full\" src=\"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/teaser-Cleare-Ann-\u00a9-Janet-Sinica-DSC03143.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/teaser-Cleare-Ann-\u00a9-Janet-Sinica-DSC03143.jpg 800w, https:\/\/www.musikfabrik.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/teaser-Cleare-Ann-\u00a9-Janet-Sinica-DSC03143-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.musikfabrik.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/teaser-Cleare-Ann-\u00a9-Janet-Sinica-DSC03143-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n            <\/div>\r\n        <\/div>\r\n    <\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ce ce-onecol \" >\r\n    <div class=\"container\">\r\n        <div class=\"row\">\r\n            <div class=\"col\">\r\n\t\t\t\t<p>Es sind vor allem solche \u00bbstofflichen\u00ab Entw\u00fcrfe, die die Dynamik von Ann Cleares Arbeit entscheidend pr\u00e4gen. \u00bbKomponieren\u00ab, sagt sie, \u00bbist f\u00fcr mich eine ausgesprochen taktile T\u00e4tigkeit. Sobald ich eine Tonh\u00f6he, einen Zusammenklang oder einen Rhythmus gew\u00e4hlt habe, wende ich Details von Artikulation, Phrasierung, Klangfarbe und Stimmung darauf an, um das Ausgangsmaterial damit regelrecht zu \u203atr\u00e4nken\u2039. Wenn ich auf diese Weise arbeite, habe ich den Eindruck, eine physische Substanz nach meinen Vorstellungen zu formen\u00ab.<\/p>\n<p>Was konkret in solchen formenden Prozessen entsteht, orientiert sich nicht selten an spezifischen \u00bbObjekten\u00ab \u2013 realen wie imagin\u00e4ren. So liegt der 2014 fertiggestellten Komposition I should live in wires for leaving you behind f\u00fcr Klavier und zwei Schlagzeuger die Vorstellung einer bewegten Skulptur zugrunde, die Cleare \u00bbball of wire\u00ab nennt: \u00bbein riesiges, verworrenes Metallgeflecht, das sich unabl\u00e4ssig dreht\u00ab. In ihrem St\u00fcck wird der m\u00f6gliche Klang dieses Phantasiegebildes mit instrumentalen Mitteln nachvollzogen. In e\u00f6l f\u00fcr Solopercussion und Ensemble sind die Objekte dagegen keine imaginierten, sondern ganz real \u2013 und von dem Dubliner Bildhauer Brian Byrne eigens f\u00fcr das St\u00fcck gebaut. Der Schlagzeuger bespielt hier ein nicht ungef\u00e4hrlich wirkendes, nagelbrett\u00e4hnliches Instrument, w\u00e4hrend er f\u00fcr andere Spieltechniken spezielle Metallkonstruktionen an Arme und Finger anlegt, die ihn ein wenig wie Edward mit den Scherenh\u00e4nden aussehen lassen. Der Effekt, den diese \u00bbErweiterung\u00ab des Musikers auf den H\u00f6rer hat, ist akustisch und haptisch zugleich: man scheint zu f\u00fchlen, was man h\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Betonung des Taktilen, die Choreographie des Klingenden, die Markierung eines Terrains, in dem die Musik gleich einer Skulptur Raum greift: Diese \u00e4sthetischen Konstanten bestimmen die Arbeit von Ann Cleare. Der Gedanke einer Erweiterung dessen, was Musik sein kann, wird sie auch in Zukunft besch\u00e4ftigen. Zur Zeit eignet sie sich Kenntnisse in Kameraarbeit, Schnitt und Regie an, um den visuellen Aspekt ihrer Musik weiterzuverfolgen; und nach einer k\u00fcnstlerischen Vision befragt, w\u00fcnscht sie sich \u2013 ganz im Sinne einer \u00bbraumgreifenden\u00ab Musik \u2013 die dramatische Kulisse einer Landschaft als B\u00fchne: das Marschland von County Offaly im Zentrum Irlands. Eine weite Ebene, in der sich Ann Cleares musikalische Skulpturen wie Meilensteine ausnehmen w\u00fcrden.<\/p>\n<p><em>Michael Rebhahn<\/em><\/p>\n            <\/div>\r\n        <\/div>\r\n    <\/div>\r\n<\/div>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die irische Komponistin Ann Cleare, ein Text von Michael Rebhahn.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":7038,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"categories":[89,92],"tags":[],"class_list":["post-8774","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-portraet"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8774","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8774"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8774\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8781,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8774\/revisions\/8781"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7038"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8774"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8774"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8774"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}