{"id":8757,"date":"2019-11-18T15:25:05","date_gmt":"2019-11-18T14:25:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/?p=8757"},"modified":"2022-04-01T15:36:46","modified_gmt":"2022-04-01T13:36:46","slug":"man-ray-trilogie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/blog\/man-ray-trilogie\/","title":{"rendered":"Man Ray Trilogie"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce ce-onecol \" >\r\n    <div class=\"container\">\r\n        <div class=\"row\">\r\n            <div class=\"col\">\r\n\t\t\t\t<p><em>F\u00fcr das n\u00e4chste Montagskonzert in der Musikfabrik am\u00a025. November\u00a0kuratiert\u00a0<a href=\"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/ensemble\/mitglieder\/dirk-wietheger\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dirk Wietheger<\/a>\u00a0einen besonderen Abend mit Musik und Film. Nicolas Tzortzis\u2019 Man Ray-Trilogie beinhaltet drei Kompositionen zu Stummfilmen von Man Ray, bedeutender Fotograf und Filmemacher des Surrealismus und der Moderne des 20. Jahrhunderts. Im Blogbeitrag beantwortet uns Dirk Wietheger ein paar Fragen zu seinem Programm.<\/em><\/p>\n<p><strong>Du hast dich entschieden, in deinem Montagskonzert die Man Ray Trilogie aufzuf\u00fchren &#8211; Musik zu drei experimentellen Stummfilmen von Man Ray, komponiert von Nicolas Tzortzis. Was macht f\u00fcr dich gute Filmmusik aus?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin sehr vorsichtig, von gut oder schlecht zu reden. Aber seitdem ich selbst vor einigen Jahren die Gelegenheit hatte, f\u00fcr einen kurzen Stummfilm Musik zu schreiben (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=NeR72CiRD-Q\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>The Insects&#8216; Christmas<\/em><\/a>), kann ich mich viel besser in einen Komponisten hineindenken und wei\u00df vor welchen grunds\u00e4tzlichen Entscheidungen er steht. Ich achte viel bewusster auf die Musik eines Filmes, zumal, wenn es sich wie hier um einen Stummfilm handelt. Anders als bei einem Tonfilm, bekommt die Musik dort ein viel gr\u00f6\u00dferes Gewicht, steht gleichberechtigt neben dem Bild. Sie kann nicht nur gelegentlich eingeschoben werden, um mal hier mal dort eine Stimmung zu verst\u00e4rken, sondern wird f\u00fcr die gesamte Dauer des Films komponiert. Man muss also wirklich ein richtiges St\u00fcck schreiben, welches dann in eine Beziehung zum Bild gesetzt wird. Und diese Beziehung ist es, die mich interessiert. Ist es eine pure Illustrierung dessen, was man sieht? Oder f\u00fchrt die Musik ein Eigenleben und w\u00fcrde auch ohne Film funktionieren? \u00dcbernimmt sie die Form, die Struktur oder sonstige Elemente des Films, oder geht sie bewusst kontr\u00e4r dazu? Laufen Film und Musik vielleicht sogar v\u00f6llig beziehungslos nebeneinander her? Gibt es ein Gleichgewicht zwischen Bild und Ton oder steht eins der beiden Elemente st\u00e4rker im Vordergrund? Alles Fragen, zu denen sich ein Komponist positionieren muss. Und die Filme von Man Ray sind wirklich gro\u00dfartige &#8222;Kompositionen&#8220;. Eine hohe Messlatte! An ihnen und an den sich selbst gestellten Aufgaben muss sich ein Komponist messen lassen.<\/p>\n<p><strong>Es handelt sich um drei, voneinander unabh\u00e4ngige St\u00fccke. Gibt es eine Entwicklung oder einen Zusammenhang zwischen den St\u00fccken?<\/strong><\/p>\n<p>Die St\u00fccke von Nicolas Tzortzis sind in einem Zeitraum von wenigen Jahren entstanden. Ausgel\u00f6st durch einen Auftrag, Musik f\u00fcr den Film &#8222;L&#8217;\u00e9toile de mer&#8220; zu schreiben, entstand sein Wunsch, sich intensiver mit Man Ray zu besch\u00e4ftigen und auch die Filme &#8222;Emak Bakia&#8220; und &#8222;Les myst\u00e8res du chateau du D\u00e9&#8220; zu vertonen. Wir haben uns in Absprache mit Nicolas entschieden, bei der Auff\u00fchrung die chronologische Reihenfolge der Entstehung einzuhalten, um seine ganz pers\u00f6nliche Entwicklung bez\u00fcglich der Beziehung zwischen Bild und Ton hervorzuheben. Wir freuen uns, dass Nicolas sein Kommen angek\u00fcndigt hat und uns sicher dazu einiges erz\u00e4hlen wird. Aber auch die Filme von Man Ray sind in einem \u00e4hnlich engen Zeitraum entstanden: Nachdem er kurz zuvor mit kleineren Filmen experimentiert hatte, erhielt er 1926 vom amerikanische Ehepaar Arthur und Rose Wheeler den Auftrag, jedes Jahr einen l\u00e4ngeren Film zu produzieren. So entstand zun\u00e4chst &#8222;Emak Bakia&#8220;, ein surrealistischer Film ganz ohne Handlung. Er besteht aus Improvisationen, die den gegenw\u00e4rtigen &#8222;Zustand des Kinos&#8220; reflektieren sollten, und in denen er diverse Techniken, mit denen er bis dahin gearbeitet hatte, insbesondere die &#8222;Rayographie&#8220; &#8211; eine besondere Form von Fotogrammen, bei denen man in der Dunkelkammer Gegenst\u00e4nde auf Fotopapier ohne Kamera belichtet &#8211; vereinigt. Darauf folgte in \u00e4hnlicher Weise 1928 &#8222;L&#8217;\u00e9toile de mer&#8220; inspiriert durch ein Gedicht von Robert Desnos und 1929 &#8222;Les myst\u00e8res du chateau du D\u00e9&#8220; inspiriert durch die Villa Noailles in Hy\u00e8res, ein modernistisches Haus der 1920er Jahre. Schade, dass er sich danach (u.a. durch Aufkommen des Tonfilms) kaum noch mit dem Medium Film besch\u00e4ftigte.<\/p>\n<p><strong>Welche Besonderheiten m\u00fcssen beachtet werden, wenn man live zu einem Film spielt? Gibt es Unterschiede in der Auff\u00fchrungspraxis?<\/strong><\/p>\n<p>K\u00fcnstlerisch gesehen ist es eine wichtige Aufgabe, das Gleichgewicht zwischen Bild und Musik im Blick zu haben. Das kann unter Umst\u00e4nden etwas anderes bedeuten als im Musiktheater oder in der Oper: Die Musiker sind eben nicht einfach Teil eines Gesamtkunstwerkes, sondern treten mit ihrem &#8222;Kunstwerk&#8220;, eben der musikalischen Komposition, einem anderen &#8222;Kunstwerk&#8220;, dem Film, gegen\u00fcber. Auf der rein praktischen Ebene muss nat\u00fcrlich die Frage gekl\u00e4rt werden, wie die Koordination zwischen Film und Musik sowie zwischen den Musikern untereinander gesichert wird. In Tzortzis St\u00fccken ist es eigentlich vorgesehen, dass ein Dirigent den Tempoangaben der Partitur folgt w\u00e4hrend zus\u00e4tzlich in der Partitur Bilder des Films eingef\u00fcgt sind, damit der Dirigent die Synchronit\u00e4t \u00fcberpr\u00fcfen kann. In diesem Konzert haben wir uns jedoch dazu entschieden, ohne Dirigent zu spielen. Daher verwenden wir einen Klicktrack, den jeder Musiker per Headset im Ohr hat. Aufgrund der Komplexit\u00e4t der Werke ist das eine besondere Herausforderung!<\/p>\n            <\/div>\r\n        <\/div>\r\n    <\/div>\r\n<\/div>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dirk Wietheger \u00fcber Nicolas Tzortzis&#8216; Kompositionen zu Man Rays Stummfilmen<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":6336,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"categories":[89,88],"tags":[],"class_list":["post-8757","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-interview"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8757","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8757"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8757\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8759,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8757\/revisions\/8759"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6336"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8757"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8757"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8757"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}