{"id":8512,"date":"2020-04-27T11:06:14","date_gmt":"2020-04-27T09:06:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/?p=8512"},"modified":"2022-04-04T11:10:08","modified_gmt":"2022-04-04T09:10:08","slug":"the-music-of-unsuk-chin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/blog\/the-music-of-unsuk-chin\/","title":{"rendered":"The Music of Unsuk Chin"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce ce-headline pb-medium align-center\">\n    <div class=\"container\">\n        <div class=\"row\">\n            <div class=\"col\">\n\t\t\t\t<h3>Lucid sonic objects<\/h3>            <\/div>\n        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>\n<div class=\"ce ce-onecol \" >\r\n    <div class=\"container\">\r\n        <div class=\"row\">\r\n            <div class=\"col\">\r\n\t\t\t\t<p>Niemand habe sie musikalisch so sehr gepr\u00e4gt wie Gy\u00f6rgy Ligeti, sagt Unsuk Chin \u00fcber ihren Kompositionslehrer. Das h\u00f6rt man auch. Beide, Ligeti und Chin, legen gro\u00dfen Wert auf die Klangfarblichkeit ihrer Musik. Auch einen anderen Aspekt hat das Schaffen beider gemeinsam: bei aller Verschiedenheit sind ihre Klangsprachen jeweils so eigenwillig, dass sie sich gegen eine Einordnung in die stilistischen Entwicklungslinien der neuen Musik str\u00e4uben. F\u00fcr die koreanische Komponistin hatte das zur Folge, dass ihre Werke auf den einschl\u00e4gigen Festivals der zeitgen\u00f6ssischen Musik nur selten aufgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Dagegen h\u00f6rt man sie h\u00e4ufig im klassischen Konzertbetrieb. Das ist sehr ungew\u00f6hnlich f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Musik, zumal Unsuk Chin sich mitnichten anpasst und alles andere als \u201egef\u00e4llig\u201c komponiert. Ihre k\u00fcnstlerische Haltung ist kompromisslos. Wenn sie ein St\u00fcck schreibt, geht es ihr nur um die Musik. Ihr sei es ganz gleich, sagt sie, was danach mit dem Werk geschehe. Mit dem schlichten Satz \u201eIch bleibe einfach ich\u201c beschreibt sie einen wesentlichen Charakterzug ihrer Arbeit: authentisch zu sein. Ihre Werke strahlen diese Authentizit\u00e4t aus. Darauf gr\u00fcndet ihr gro\u00dfer Erfolg, der zugleich beweist, dass anspruchsvolle neue Musik ohne weiteres ein breites Publikum erreichen kann.<\/p>\n            <\/div>\r\n        <\/div>\r\n    <\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ce ce-twocol pb-medium pt-medium\" >\r\n    <div class=\"container\">\r\n        <div class=\"row\">\r\n            <div class=\"col col-custom-1\">\r\n\t\t\t\t<figure id=\"attachment_6906\" aria-describedby=\"caption-attachment-6906\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-6906 size-full\" src=\"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unsuk-Chin-\u00a9-Klaus-Rudolph-Chin_Unsuk_233050104.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unsuk-Chin-\u00a9-Klaus-Rudolph-Chin_Unsuk_233050104.jpg 1000w, https:\/\/www.musikfabrik.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unsuk-Chin-\u00a9-Klaus-Rudolph-Chin_Unsuk_233050104-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.musikfabrik.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unsuk-Chin-\u00a9-Klaus-Rudolph-Chin_Unsuk_233050104-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6906\" class=\"wp-caption-text\">Unsuk Chin \u00a9 Klaus Rudolph<\/figcaption><\/figure>\n            <\/div>\r\n            <div class=\"col col-custom-2\">\r\n\t\t\t\t<p>Unsuk Chin lebt seit drei Jahrzehnten in Berlin, versteht sich als Teil einer internationalen Musikkultur und m\u00f6chte auf keinen Fall, nur weil sie Koreanerin ist, in die asiatische Schublade gesteckt werden. Auch wenn sie gelegentlich koreanische Instrumente verwendet ist ihr kompositorisches Denken international. Im St\u00fcck \u201eGougalon\u201c zum Beispiel zitiert sie mit dem Titel ein altdeutsches Wort, das in etwa \u201egaukeln\u201c bedeutet. Es bezieht sich auf Jahrmarkts- und Stra\u00dfenkunst, die Unsuk Chin k\u00fcrzlich in China erlebte und auch aus ihrer Jugend in Korea kennt. Ihr St\u00fcck spielt somit nicht auf eine bestimmte Kultur an, sondern versinnbildlicht eine imagin\u00e4re Volksmusik. Unsuk Chin stilisiert volksmusikalische Eigenheiten und integriert sie in ihre musikalische Sprache, die eine komplexe zeitgen\u00f6ssische ist.<\/p>\n            <\/div>\r\n        <\/div>\r\n    <\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ce ce-onecol \" >\r\n    <div class=\"container\">\r\n        <div class=\"row\">\r\n            <div class=\"col\">\r\n\t\t\t\t<p>Ohne dass man es direkt h\u00f6rt, spielt das Klavier in Chins musikalischem Leben eine gro\u00dfe Rolle. Denn eigentlich w\u00e4re die Komponistin gerne Pianistin geworden. Ihren unerf\u00fcllten Traum lebt sie in Klavierwerken aus. Neben einer Reihe von Solo-Kompositionen gibt es zwei orchestral konzipierte Werke, in denen das Tasteninstrument erscheint, unter ihnen das \u201eDouble Concerto\u201c.<br \/>\nAllerdings treten die Solisten an Klavier und Schlagzeug nicht als solche in den Vordergrund. Ja es ist sogar das Ziel der Komponistin, die Soloinstrumente mit dem Ensembleklang zu verschmelzen und damit das Prinzip des Konzerts, die Gegen\u00fcberstellung von Solisten und Ensemble, aufzuheben. Unsuk Chin spricht von einer \u201eFusion\u201c, die ein homogenes Ganzes ergeben soll, einen geschlossenen Klangk\u00f6rper.<\/p>\n<p>Auch in anderen Werke m\u00f6chte die Komponistin solche Klangk\u00f6rper erzeugen. Die Farbigkeit der Musik spielt da eine zentrale Rolle. Das Interesse Unsuk Chins an Farben gr\u00fcndet auf ihrem pers\u00f6nlichem Erleben. Seit fr\u00fchester Jugend verbindet sie mit jedem Ton eine konkrete Farbvorstellung, zum Beispiel gelb mit schwarzen Streifen. Das sind elementare Erfahrungswelten, die Chins Komponieren pr\u00e4gen. Die unmittelbare, spontane Wirkung ihrer Musik hat sicherlich mit dieser Fokussierung auf die Klangfarbe zu tun, den wohl sinnlichsten der musikalischen Parameter.<\/p>\n            <\/div>\r\n        <\/div>\r\n    <\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ce ce-twocol pb-medium pt-medium layout-8-4\" >\r\n    <div class=\"container\">\r\n        <div class=\"row\">\r\n            <div class=\"col col-custom-1\">\r\n\t\t\t\t<p>Zur Farbigkeit von Chins Musik geh\u00f6rt auch Ger\u00e4uschhaftes. Im \u201eDouble Concerto\u201c sind einige Saiten des Klaviers pr\u00e4pariert, sodass perkussiv wirkende Kl\u00e4nge entstehen. Das flie\u00dft in den Gesamtklang ein, den Unsuk Chin mit ihrem sehr feinen Sinn f\u00fcr die Klang-Valeurs der Instrumente gestaltet. Zu Chins Klangdenken geh\u00f6rt auch das besondere Interesse an Frauenstimmen, das in \u201eCantatrix Sopranica\u201c aufscheint. Dem Werk liegen Nonsense-Texte zugrunde, sodass die Textvertonung weitgehend frei von semantischen Assoziationen bleibt. Auch hier geht es Unsuk Chin um den Klang. Die Komponistin zielt auf eine Symbiose zwischen Text als Klang und den Sound der Stimmen und Instrumente.<\/p>\n<p>Dabei weicht Chins Formulierung der Klangfarben vom Gewohnten ab. Ihre Musik ist von einer besonderen Aura umh\u00fcllt, vom Hauch des Besonderen, des so noch nie Geh\u00f6rten. Beschreibungen dieser Klangfarblichkeit erweisen sich als schwierig, weshalb die Musik mangels angemessener Begriffe unter anderem \u201eunergr\u00fcndlich\u201c, \u201er\u00e4tselhaft\u201c oder \u201eneuimpressionistisch\u201c genannt wurde.<\/p>\n            <\/div>\r\n            <div class=\"col col-custom-2\">\r\n\t\t\t\t<figure id=\"attachment_2915\" aria-describedby=\"caption-attachment-2915\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2915\" src=\"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/acht-bruecken-170502.jpeg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/acht-bruecken-170502.jpeg 907w, https:\/\/www.musikfabrik.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/acht-bruecken-170502-300x300.jpeg 300w, https:\/\/www.musikfabrik.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/acht-bruecken-170502-150x150.jpeg 150w, https:\/\/www.musikfabrik.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/acht-bruecken-170502-768x768.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2915\" class=\"wp-caption-text\">Unsuk Chin, Peter Rundel \u00a9 Klaus Rudolph<\/figcaption><\/figure>\n            <\/div>\r\n        <\/div>\r\n    <\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ce ce-onecol \" >\r\n    <div class=\"container\">\r\n        <div class=\"row\">\r\n            <div class=\"col\">\r\n\t\t\t\t<p>Das h\u00e4ngt auch damit zusammen, dass sich hinter der klanglichen Fassade sorgf\u00e4ltig konstruierte Strukturen verbergen. Klangfarbe fungiert in Unsuk Chins Musik nicht als St\u00fctzglied der musikalischen Architektur. Sie ist eine Oberfl\u00e4chenkontur im Vordergrund des Geschehens, die die Musik nat\u00fcrlich und organisch wirken l\u00e4sst. Aber eigentlich verdankt sich diese Wirkung der strengen Konstruktion der Musik. Chin verl\u00e4sst sich weder auf Intuitionen noch auf ein Bauchgef\u00fchl oder pure Spontaneit\u00e4t. Sie versucht, alle Elemente eines St\u00fccks in ein strukturelles Konzept einzubinden. So kommt es, dass die Musik, selbst wenn sie dicht und komplex wird, klar und luzid erscheint und einen eigenwilligen Glanz ausstrahlt.<\/p>\n<p><em>Autor: Hanno Ehrler<br \/>\nDer Artikel wurde zuerst in unserer <a href=\"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/ensemble\/presse\/saisonbroschueren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brosch\u00fcre<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n            <\/div>\r\n        <\/div>\r\n    <\/div>\r\n<\/div>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lucid sonic objects &#8211; ein Artikel \u00fcber die Musik von Unsuk Chin von Hanno Ehrler<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":2915,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"categories":[89,92],"tags":[],"class_list":["post-8512","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-portraet"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8512","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8512"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8512\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8524,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8512\/revisions\/8524"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2915"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8512"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8512"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikfabrik.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}