13.04.2020

New Music Monday #4

--- Version auf deutsch weiter unten ---

The next New Music Monday release that we would like to share with you is Clarinet and String Quartet by Morton Feldman, recorded in concert by Carl Rosman and the string players of Ensemble Musikfabrik. Carl shares on our blog his reasons for choosing the piece for his Monday Concert in February 2016, and talks about one of his most important inspirations as a clarinettist.

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This was quite the concert.

I needed a framework to premiere Evan Johnson’s new piece for historical basset clarinet, ‘indolentiae ars’, a medium to be kept – an Ensemble Musikfabrik commission, and already something of an epic in itself at twenty-plus minutes. It seemed a pity not to take the chance to play the Mozart clarinet quintet as well, which I had literally never previously performed – I played that on ‘modern’ basset clarinet, though, partly because the historical basset clarinet isn’t exactly my comfort zone, partly because it wouldn’t have been a happy mix with the modern string instruments of my colleagues (even if I asked them to tune down a quarter-tone, which seemed a bit of an ask in itself). But even though the programme was already reasonably long with just those two pieces, it wasn’t really balanced: it needed another piece of new (or newish) music, preferably for quintet.

There were a few options but Feldman’s Clarinet and string quartet stood out for a variety of reasons. Even though it’s hardly short, purely from the rehearsal point of view it’s not too difficult to prepare (stamina is another question, of course). It’s also the kind of music that plays games with the perception of duration, which makes it a nice thing to have on a programme with over 100 minutes of music. There’s a biographical connection between Feldman and Evan Johnson: besides Feldman’s status as an inspirational figure, he taught at Buffalo University, where Johnson would later study. And there’s another important connection for me, to do with the clarinettist Alan Hacker. For me he is by far the most inspirational clarinettist on record, not only in new music but in older repertoire as a pioneer in the use of historical instruments. He was one of the first players to perform the Mozart concerto and quintet on basset clarinet (the instrument with extended lower range for which the pieces were originally conceived); he also premiered the Feldman quintet, which is dedicated to him, and was the clarinettist of choice for many other composers, most productively Maxwell Davies and Birtwistle. He had an immensely wide tonal range, not just wider than any other single clarinettist but pretty much as wide as all the rest of us combined, and not just classical players. And he did everything from a wheelchair, having suffered a spinal thrombosis near the beginning of his career. If you don’t know his recorded work, do investigate: I can’t imagine what my own playing would be like without his example.

--- Deutsche Version ---

Die nächste New Music Monday Veröffentlichung, die wir mit Ihnen teilen möchten, ist das Clarinet and String Quartet von Morton Feldman, aufgenommen von Carl Rosman und der Streichergruppe der Ensemble Musikfabrik. Carl teilt in unserem Blog mit, warum er das Stück in sein Konzertprogramm seines Montagskonzerts im Februar 2016 aufgenommen hat, und spricht über seine Inspirationen als Klarinettist.

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This was quite the concert.

Ich brauchte einen Rahmen für die Uraufführung von Evan Johnsons neuem Stück für historische Bassettklarinette, 'indolentiae ars', a medium to be kept - ein Auftrag des Ensemble Musikfabrik und mit mehr als zwanzig Minuten schon eine Art Epos an sich. Es wäre ein Jammer, die Chance nicht zu nutzen, auch das Mozartklarinettenquintett zu spielen, das ich tatsächlich noch nie zuvor aufgeführt hatte - ich spielte es allerdings auf "moderner" Bassettklarinette, teils, weil die historische Bassettklarinette nicht gerade meine Komfortzone ist, teils, weil es keine glückliche Mischung mit den modernen Streichinstrumenten meiner Kollegen gewesen wäre (selbst wenn ich sie gebeten hätte, einen Viertelton tiefer zu stimmen, was an sich schon ein bisschen zu viel zu verlangen ist). Aber obwohl das Programm mit nur diesen beiden Stücken schon ziemlich lang war, war es nicht wirklich ausgewogen: es brauchte noch ein weiteres Stück neuer (oder neuerer) Musik, vorzugsweise für Quintett.

Es gab ein paar Optionen, aber Feldmans Clarinet and String Quartet stach aus verschiedenen Gründen heraus. Auch wenn es sehr lang ist, ist es rein vom Standpunkt des Probens aus gesehen nicht allzu schwierig, sich vorzubereiten (Ausdauer ist natürlich eine andere Frage). Es ist auch die Art von Musik, die mit der Wahrnehmung von Dauer spielt, was bei einem Programm mit über 100 Minuten Musik eine schöne Sache ist. Es gibt eine biografische Verbindung zwischen Feldman und Evan Johnson: Neben Feldmans Status als Inspirationsfigur unterrichtete er an der Universität von Buffalo, wo Johnson später studieren sollte. Und es gibt eine weitere wichtige Verbindung für mich, die mit dem Klarinettisten Alan Hacker zu tun hat. Für mich ist er der bei weitem inspirierendste Klarinettist, nicht nur in der Neuen Musik, sondern auch im älteren Repertoire als Pionier im Umgang mit historischen Instrumenten. Er war einer der ersten Spieler, der das Mozart-Konzert und -Quintett auf Bassettklarinette (dem Instrument mit erweitertem tiefem Tonumfang, für das die Stücke ursprünglich konzipiert waren) aufführte; er hat auch das ihm gewidmete Feldman-Quintett uraufgeführt und war der Klarinettist der Wahl für viele andere Komponisten, vor allem für Maxwell Davies und Birtwistle. Er hatte eine immens große klangliche Bandbreite, nicht nur größer als die jedes andern einzelnen Klarinettisten, sondern ungefähr so groß wie der Rest von uns allen zusammen und nicht nur klassische Spieler. Und er tat alles aus dem Rollstuhl heraus, nachdem er zu Beginn seiner Karriere eine Wirbelsäulen-Thrombose erlitten hatte. Wenn Sie seine Aufnahmen nicht kennen, sollten Sie nachforschen: Ich kann mir nicht vorstellen, wie mein eigenes Spiel ohne sein Vorbild wäre.