08.07.2020

Lockdown Tape #30

---German Version Below---

Quattro Pezzi per Corno by Giacinto Scelsi are played live to tape by Christine Chapman in our Lockdown Tape #30.

 


Scelsi’s Quattro Pezzi per Corno are wonderful studies of color. The pieces were created by Scelsi composing “real-time” by recording him playing freely over his detailed work notes and sketches on an ondiola, a clavioline made in Italy. (The clavioline is an electronic keyboard instrument developed in the late 1940s and a forerunner to the analog synthesizer.) These transcriptions were then arranged for different instruments.

The 4 pieces for horn are full of coloring techniques. Notations for quick mute changes, hand stopping, vibrato, glissandi, and microtonality attempt to reflect Scelsi’s use of the various timbre and vibrato settings of the ondiola. I decided to use the double-bell horn not only to facilitate the fast mute changes but to also present a stereo element to the color palette. Playing with the two bells on either side creates a beautiful, shape-shifting acoustic effect. The reflected sound of the horn dances back and forth across the stage - or in this case between speakers or headphones. (Insider tip: the double-bell effects sound great over headphones!) For the 3rd piece, I chose to place the 2nd bell back on the right side as there are no mute changes. It also gave me the opportunity to show the magic of the flexibility of the double-bell horn!

Christine Chapman, July 2020

---German Version---

Scelsis Quattro Pezzi per Corno sind wunderbare Studien der Farbe. Die Stücke wurden von Scelsi in "Echtzeit" komponiert, indem er ihn beim freien Spiel über seine detaillierten Werknoten und Skizzen auf einer Ondiola, einer in Italien hergestellten Clavioline, aufnahm. (Die Clavioline ist ein in den späten 1940er Jahren entwickeltes elektronisches Tasteninstrument und ein Vorläufer des analogen Synthesizers). Diese Transkriptionen wurden dann für verschiedene Instrumente bearbeitet.

Die 4 Stücke für Horn sind voll von Färbetechniken. Notationen für schnelle Dämpferwechsel, Hand gestopfte Töne, Vibrato, Glissandi und Mikrotonalität versuchen, Scelsis Verwendung der verschiedenen Klangfarben und Vibrato-Einstellungen der Ondiola widerzuspiegeln. Ich entschied mich für den Einsatz des Doppeltrichterhorns, nicht nur, um die schnellen Dämpfungswechsel zu erleichtern, sondern auch, um der Farbpalette ein Stereoelement zu präsentieren. Das Spiel mit den beiden Schalltrichtern auf beiden Seiten erzeugt einen schönen, formverändernden akustischen Effekt. Der reflektierte Schall des Horns tanzt hin und her über die Bühne - oder in diesem Fall zwischen Lautsprechern oder Kopfhörern. (Geheimtipp: Die Dopeltrichter-Effekte klingen über Kopfhörer großartig!) Für das 3. Stück habe ich mich dafür entschieden, die 2. Schalltrichter wieder auf der rechten Seite zu platzieren, da es keine Dämpferwechsel gibt. Das gab mir auch die Gelegenheit, die Magie der Flexibilität des Doppeltrichterhorns zu zeigen!

Christine Chapman, Juli 2020