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	<title>Porträt | Ensemble Musikfabrik</title>
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	<title>Porträt | Ensemble Musikfabrik</title>
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		<title>Posaune spielen, um die Freiheit zu finden und zu bewahren</title>
		<link>https://www.musikfabrik.eu/de/blog/hommage-an-bruce-collings/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redakteur 1]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jan 2024 09:14:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Hommage an unseren Kollegen Bruce Collings von Marco Blaauw]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="ce ce-onecol " >
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				<p style="text-align: left;">Ende Januar 2024 wird unser Posaunist Bruce Collings in den Ruhestand gehen.</p>
<figure id="attachment_10836" aria-describedby="caption-attachment-10836" class="wp-caption aligncenter"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-10836" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2022/12/Collings-Bruce-©-Janet-Sinica-JS©-01042-300x200.jpg" alt="Bruce Collings mit Posaune © Janet Sinica" width="419" height="279" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2022/12/Collings-Bruce-©-Janet-Sinica-JS©-01042-300x200.jpg 300w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2022/12/Collings-Bruce-©-Janet-Sinica-JS©-01042-768x512.jpg 768w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2022/12/Collings-Bruce-©-Janet-Sinica-JS©-01042.jpg 1000w" sizes="(max-width: 419px) 100vw, 419px" /><figcaption id="caption-attachment-10836" class="wp-caption-text">Bruce Collings © Janet Sinica</figcaption></figure>
<p style="text-align: left;">Nachdem er regelmäßig als Gast bei uns aufgetreten war, wurde Bruce in der Konzertsaison 1995/1996 Mitglied. Bei einigen seiner ersten Projekte wurde er nicht als Posaunist engagiert, sondern sprang auf dem Euphonium ein. Zwei bemerkenswerte Stücke sind erwähnenswert: ein komplexes Werk von James Dillon und ein Blechbläserquintett von Hans Werner Henze. Beide Stücke waren extrem in Bezug auf Register, Virtuosität und Mikrotonalität und ein echter Test für seine kammermusikalischen Fähigkeiten. Diese Herausforderungen zeigten sein ganzes Talent, seine Leidenschaft, Motivation, Entschlossenheit und Ausdauer. Eine perfekte Ergänzung für das Ensemble!</p>
<p style="text-align: left;">Während seiner gesamten Karriere verband Bruce seine Position im Ensemble mit seiner Tätigkeit bei den Bergischen Symphonikern. Das Orchester verlangte von ihm die Beherrschung klassischer Fertigkeiten, die den Orchesterklang, die Artikulation und die Interpretation des bekannten Repertoires umfassten. Das Ensemble Musikfabrik verlangte das Gegenteil: etwas Neues und anderes für jedes Stück. Um beide Positionen unter einen Hut zu bringen, musste Bruce zwischen Solingen und Köln hin- und herpendeln, um oft vormittags mit dem Orchester und nachmittags mit dem Ensemble zu proben, um dann am Abend für das Orchesterkonzert zurückzukehren.</p>
<p style="text-align: left;">Dieses breite Spektrum an Fähigkeiten, kombiniert mit Flexibilität und guter Ausdauer, in einer Person zu finden, ist einzigartig und machte ihn zu einem der herausragendsten Posaunisten, was in Einladungen von anderen führenden Ensembles für Neue Musik in Europa gipfelte.</p>
<p style="text-align: left;">Es ist unmöglich, alle Projekte zu nennen, bei denen Bruce eine wichtige Rolle gespielt hat. Dennoch ist es wichtig, ein paar hervorzuheben:</p>
<h3 style="text-align: left;"><strong>DRY–TSAYN</strong></h3>
<p style="text-align: left;">Die Tournee und CD-Produktion von Karlheinz Stockhausens <strong>MOMENTE</strong> im Jahr 1998 wurde von Rupert Huber dirigiert, wobei der große Komponist selbst als Klangregisseur fungierte. Bruce’ Kontakt mit Stockhausen weckte ein Interesse an seinem Repertoire, das blieb und wuchs und in den szenischen Aufführungen von <strong>MICHAELS REISE</strong> (2008) und <strong>SONNTAG AUS LICHT</strong> (2011) seinen Höhepunkt fand.</p>
<figure id="attachment_12720" aria-describedby="caption-attachment-12720" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="wp-image-12720" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/mF_Stockhausen_SONNTAG-aus-LICHT_HOCH-ZEITEN-fuer-Orchest11-300x169.jpg" alt="" width="421" height="237" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/mF_Stockhausen_SONNTAG-aus-LICHT_HOCH-ZEITEN-fuer-Orchest11-300x169.jpg 300w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/mF_Stockhausen_SONNTAG-aus-LICHT_HOCH-ZEITEN-fuer-Orchest11-1024x575.jpg 1024w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/mF_Stockhausen_SONNTAG-aus-LICHT_HOCH-ZEITEN-fuer-Orchest11-768x431.jpg 768w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/mF_Stockhausen_SONNTAG-aus-LICHT_HOCH-ZEITEN-fuer-Orchest11-1536x863.jpg 1536w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/mF_Stockhausen_SONNTAG-aus-LICHT_HOCH-ZEITEN-fuer-Orchest11-2048x1150.jpg 2048w" sizes="(max-width: 421px) 100vw, 421px" /><figcaption id="caption-attachment-12720" class="wp-caption-text">Karlheinz Stockhausen – Sonntag aus Licht  ©Klaus Rudolph</figcaption></figure>
<p style="text-align: left;">In seinem Opernzyklus <strong>LICHT</strong> gibt Stockhausen der Posaune in der Rolle des Protagonisten Luzifer eine bedeutende Solorolle, die das Auswendiglernen von Choreografien und komplexen musikalischen Teilen erfordert.</p>
<p style="text-align: left;">Bruce hat viel in die Entwicklung dieser Rolle investiert. Sein Klang, seine Energie und seine Interpretation gaben Luzifer eine neue Stimme. Diese Aufführungen wurden auf CD und Video dokumentiert und sind nun ein wertvolles Beispiel für künftige Generationen von Posaunist*innen.</p>
<p style="text-align: left;">Ein wesentliches Merkmal der Luzifer-Figur ist seine Besessenheit vom Zählen der Zahlen bis dreizehn. Bruce’ amerikanischer Akzent gab der deutschen Zahl einen einzigartigen und unvergesslichen Klang.</p>
<h3 style="text-align: left;">DREIUNDVIERZIG</h3>
<p style="text-align: left;">Das Projekt <strong>DELUSION OF THE FURY</strong>, ein Musiktheaterstück des Komponisten Harry Partch, war eine ganz neue Herausforderung für das Ensemble, nicht zuletzt für Bruce.</p>
<figure id="attachment_12728" aria-describedby="caption-attachment-12728" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="wp-image-12728" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/mF_Partch_Delusion-of-the-Fury_232060107JAx-300x200.jpg" alt="" width="420" height="280" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/mF_Partch_Delusion-of-the-Fury_232060107JAx-300x200.jpg 300w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/mF_Partch_Delusion-of-the-Fury_232060107JAx-768x512.jpg 768w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/mF_Partch_Delusion-of-the-Fury_232060107JAx.jpg 900w" sizes="(max-width: 420px) 100vw, 420px" /><figcaption id="caption-attachment-12728" class="wp-caption-text">Harry Partch – Delusion of the Fury  © Klaus Rudolph</figcaption></figure>
<p style="text-align: left;">Regisseur Heiner Goebbels besetzte Bruce in beiden geheimnisvollen Geschichten mit Schlüsselrollen: Als Geist eines alten Kriegers in dem Noh-Drama und als blinder Richter in der afrikanischen Erzählung. Beide Rollen offenbaren unbequeme Wahrheiten.</p>
<p style="text-align: left;">In <em>Delusion of the Fury</em> verlangte der Komponist von den Musiker*innen, dass sie singen und schauspielern, was eine spannende, aber schwierige Herausforderung ist. Dem Regisseur ist es gelungen, die Musiker*innen der Musikfabrik in Rollen zu besetzen, die nicht auf schauspielerischen Fähigkeiten, sondern auf den im Ensemble vorhandenen Charaktereigenschaften basieren. So wie wir Bruce als Kollegen kennen, schienen seine Rollen perfekt zu passen!</p>
<h3 style="text-align: left;">PROMETHEUS</h3>
<p style="text-align: left;">Wir erinnern uns an eine andere Rolle: die bewegende Szene in der Produktion <strong>KUNST MUSS (ZU WEIT GEHEN)</strong> oder <strong>DER ENGEL SCHWIEG</strong>. Der Komponist Helmut Oehring stellte Bruce auf ein hohes Podest. In seiner berühmten Lotus-Yoga-Haltung steht er einem kleinen Jungen gegenüber und erzählt, wie die Posaune zu einem wesentlichen Teil seines Lebens wurde.</p>
<figure id="attachment_12731" aria-describedby="caption-attachment-12731" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="wp-image-12731" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/L1_7234-300x200.jpg" alt="" width="380" height="253" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/L1_7234-300x200.jpg 300w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/L1_7234-1024x683.jpg 1024w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/L1_7234-768x512.jpg 768w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/L1_7234.jpg 1500w" sizes="(max-width: 380px) 100vw, 380px" /><figcaption id="caption-attachment-12731" class="wp-caption-text">Helmut Oehring – Kunst muss (zu weit gehen)  ©Paul Leclaire</figcaption></figure>
<p style="text-align: left;">Der Junge denkt über seine Worte nach und verweist auf Prometheus, „Prometheus – das bedeutet: der Vorausdenkende – hat ja nicht das Feuer vom Himmel geholt, nur damit die Wurstbratereien ihre Geschäfte machen können; er hat es geholt, auf dass die Erde brenne, und er war ein listiger Titanensohn. Wenn die Tabu- Durchbrechung in den Händen der Wurstelbrater eine schicke und dolle Sache geworden ist, an der die Bourgeoisie immer mehr Gefallen findet und immer mehr Geld verdient, muss die Kunst zurückgehen; oh nein, nicht das Feuer in den Himmel zurückbringen, aber listig wie alle Vorausdenkenden, muss sie einen Weg suchen und finden, was frei, geordnet, untröstlich, auch poetisch an der Liebe ist, möglicherweise auf dem Umweg über die Keuschheit vor den zerklimperten Freiheiten zu retten.“</p>
<p style="text-align: left;">Mit einem scharfsinnigen philosophischen Kommentar eines kleinen Jungen bringt der Komponist Bruce auf den Punkt und enthüllt die wahre Absicht hinter seinem Spiel: die Freiheit zu suchen, zu finden und zu bewahren! Während des Monologs illustriert Bruce die Worte mit Mahlers ikonischem Posaunensolo aus der Dritten Symphonie. Die Posaune wird zu einem heiligen Instrument. Sie kann die Welt in Brand setzen!</p>
<p style="text-align: left;">Das Alte Testament verweist auf den Klang posaunenartiger Schofare, die die Mauern von Jericho niederreißen. Oder sollten wir ein wenig bodenständiger denken?<br />
Die Posaune wird zum Vehikel, um durch die Welt zu ziehen, sich in Deutschland niederzulassen und eine Familie zu ernähren. Ein Megaphon zur Selbstdarstellung, um verrückte Klänge zu erzeugen, die Reibung verursachen, voller Hitze, die wir mit Feuer assoziieren.<br />
Unsere Ohren brennen.</p>
<h3 style="text-align: left;">HERMES</h3>
<p style="text-align: left;">Erinnern Sie sich an seine Anfänge im Ensemble? Als virtuoser Euphoniumspieler?</p>
<p style="text-align: left;">Seitdem hat er kontinuierlich daran gearbeitet, seinen Horizont zu erweitern und seine Fähigkeiten zu erhalten und auszubauen. Bruce’ Feuer ließ ihn immer wieder üben – er versuchte, sein Spiel präziser und genauer zu machen, und gab niemals auf, wenn sein Part unmöglich zu spielen schien – er übte vor, nach und sogar während der Proben!</p>
<p style="text-align: left;">Die Posaune wird oft als ein langsames Instrument mit ihrem endlosen Zug von sieben Positionen wahrgenommen. In den Händen von Bruce wird sie jedoch zu einer agilen und schnellen Stimme.</p>
<p style="text-align: left;">Es war, als trüge er die geflügelten Schuhe des Hermes, als er die Musik von Frank Zappa solo spielen durfte – jetzt auf unserer CD „Frank Zappa, Bad Doberan &amp; Elsewhere“.</p>
<p style="text-align: left;">Diese Intensität ist auch in der Art und Weise zu hören, wie er über die Posaune spricht.</p>
<p style="text-align: left;">Seine informationsgeladenen Worte fließen nonstop und in hohem Tempo.</p>
<p style="text-align: left;">Das Problem ist &#8230;</p>
<figure id="attachment_12733" aria-describedby="caption-attachment-12733" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="wp-image-12733" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/Ensemble-MusikFabrik-©-Brian-Slater-2-300x200.jpg" alt="" width="550" height="367" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/Ensemble-MusikFabrik-©-Brian-Slater-2-300x200.jpg 300w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/Ensemble-MusikFabrik-©-Brian-Slater-2-1024x683.jpg 1024w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/Ensemble-MusikFabrik-©-Brian-Slater-2-768x512.jpg 768w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/Ensemble-MusikFabrik-©-Brian-Slater-2-1536x1024.jpg 1536w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2024/01/Ensemble-MusikFabrik-©-Brian-Slater-2-2048x1365.jpg 2048w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /><figcaption id="caption-attachment-12733" class="wp-caption-text">George Lewis und Bruce Collings © Brian Slater / HCMF</figcaption></figure>
<p style="text-align: left;">Manchmal wurden die Ohren junger Komponist*innen rot und ihre Augen groß, wenn sie von den zahlreichen Möglichkeiten, die Bruce auf seiner Posaune anbot, überwältigt wurden, und sie verließen den Raum oft verblüfft und voller Ehrfurcht. Viele etablierte Komponist*innen haben all diese reichen Quellen dankbar genutzt, um ein Repertoire mit neuen Klängen auf der Posaune zu schaffen. Liza Lim, Georg Friedrich Haas, George Lewis, Enno Poppe und Rebecca Saunders, um nur einige große Namen zu nennen, schrieben bedeutende Partien für Bruce.</p>
<p style="text-align: left;">Und wenn Sie, liebe*r Lesende, Posaunist*in sind, der oder die mit scheinbar unlösbaren Problemen zu kämpfen hat, fragen Sie Bruce! Es wird eine einmalige Gelegenheit sein, jemanden zu treffen, der so viel Feuer hat, um Probleme zu lösen oder Wege zu finden, sie zu lösen.</p>
<p style="text-align: left;">Bruce wird mit Ihnen diskutieren und üben, bis die Passage reibungslos funktioniert, bis das Unmögliche möglich wird, und Sie erhalten ein freundliches Lachen und viele Tipps und Ideen.</p>
<h3 style="text-align: left;">HEPHAESTUS</h3>
<p style="text-align: left;">Ich kann diese kurze Hommage an meinen Kollegen nicht beenden, ohne die Dämpfer zu erwähnen. Den meisten Leser*innen dieser Broschüre dürften diese Gegenstände, die Blechbläser in den Schallbecher einsetzen, um die Klangfarbe zu verändern, unbekannt sein. Normalerweise sind die Dämpfer aus Aluminium und haben seltsame, aber spannende Formen. Es erfordert viel Geschick, ja sogar Akrobatik, sie einzusetzen oder herauszunehmen, während man im Fluss der Musik spielt (wobei die Komponist*innen oft vergessen, genügend Zeit einzuplanen &#8230;)</p>
<p style="text-align: left;">Bruce hat große Fähigkeiten entwickelt, um dies zu bewerkstelligen, und bei den seltenen Gelegenheiten, bei denen er es nicht schaffte, klangen die Dämpfer großartig, wenn sie auf den Boden fielen.</p>
<p style="text-align: left;">Die Form eines Dämpfers kann an eine Blumenvase erinnern, wie ein Kollege des Ensembles bemerkte, als er sich während der bereits erwähnten Momente-Produktion langweilte. Mitten in einer Aufnahmesession füllte er Bruce’ Dämpfer mit fast zwei Litern Wasser, ein Streich, den Bruce professionell vor der gesamten Crew zu verbergen wusste.</p>
<p style="text-align: left;">Wir sind uns nicht hundertprozentig sicher, aber wir schätzen, dass Bruce’ Neugier auf Klangfarben ihn dazu gebracht hat, die größte Posaunendämpfersammlung Deutschlands anzulegen. Wir sind nie überrascht, mindestens fünf Dämpfer neben seinem Stuhl zusehen, obwohl der Komponist nur nach einem fragt, der jeweils nur eine Handvoll oder sogar nur einen Ton bedienen soll. Es werden keine Mühen gescheut, um das Beste aus den Möglichkeiten der Posaunenstimme herauszuholen.</p>
<h3 style="text-align: left;">ZEUS</h3>
<p style="text-align: left;">Bruce’ Karriere beim Ensemble Musikfabrik geht zu Ende, und wir alle weinen.</p>
<p style="text-align: left;">Wir sind viel gereist, haben unzählige Stunden an den Tischen zahlreicher Restaurants verbracht, Geschichten geteilt, Lebenszeiten geteilt und unsere Leidenschaft für Klänge und Musik (nicht immer die gleiche) geteilt. Gute Zeiten und schlechte Zeiten, faule Zeiten und schwere Zeiten, anspruchsvolle Musik und leichte Musik, Meisterwerke und Werke, die wir längst vergessen haben.</p>
<p style="text-align: left;">Wir haben zahllose magische Momente geteilt, in denen wir die Stille durchbrochen haben – völlig synchron in Zeit, Stimmung und Dynamik – ohne erkennbares Signal, wann es losgehen soll, einfach synchron durch gemeinsames Atmen. So etwas kann man nur mit jemandem machen, mit dem man schon seit vielen Jahren zusammenarbeitet.</p>
<p style="text-align: left;">Das werden wir vermissen!</p>
<p style="text-align: left;">Bruce war 28 Jahre lang Mitglied.<br />
Was ist aus der Zeit geworden?<br />
Es braucht eine neue Orientierung und Mut, um voranzukommen.<br />
Inspiration können wir bei unseren Philosophen und Denkern finden. Die Philosophie kann uns helfen, all diese Ereignisse zu verarbeiten. Deshalb habe ich einige berühmte Zitate unserer Ahnen zusammengestellt, die uns helfen sollen, die aktuelle Situation zu akzeptieren.</p>
<p style="text-align: left;"><em>„Ich finde es wirklich tragisch, wenn die Menschen sich über Dinge aufregen. Es ist so absurd, irgendetwas wirklich ernst zu nehmen &#8230; Ich bemühe mich ehrlich, nichts ernst zu nehmen: Ich habe mir diese Einstellung zurechtgelegt, als ich achtzehn war, ich meine, was bedeutet das alles, wenn man es genau nimmt, was ist die Geschichte hier? Am Leben zu sein ist so seltsam.“</em><br />
— Frank Zappa</p>
<p style="text-align: left;"><em>„Nichts hat Bestand außer der Veränderung.“</em><br />
— Heraklit</p>
<p style="text-align: left;"><em>„Die Zeit verändert uns nicht. Sie entfaltet uns nur.“</em><br />
— Max Frisch</p>
<p style="text-align: left;"><em>„Die Zeit fliegt wie ein Pfeil, das Obst fliegt wie eine Banane.“</em><br />
— Anthony G. Oettinger</p>
<p style="text-align: left;"><em>„Wie konnte es nur so schnell so spät werden?“</em><br />
— Dr. Seuss</p>
<p style="text-align: left;"><em>„Je mehr Sand durch die Sanduhr unseres Lebens gelaufen ist, desto besser sollten wir durch sie hindurchsehen können.“</em><br />
— Niccoló Machiavelli</p>
<p style="text-align: left;"><em>„Es ist das lange Betrachten der Dinge, das dich reifen lässt und dir einen tieferen Sinn gibt.“</em><br />
— Vincent Van Gogh</p>
<p style="text-align: left;"><em>„Es gibt nur zwei Dinge, die man sich merken sollte. Nummer eins … Nicht aufhören, und Nummer zwei: Weitermachen!“</em><br />
— Frank Zappa</p>
<p style="text-align: left;"><em>„Ich habe Zeit, um ihn reinzustecken, aber nicht um ihn rauszunehmen.“</em><br />
— Bruce Collings</p>
<p style="text-align: left;">Lieber Bruce,<br />
danke für Deine Musik, Deine Motivation und Deine Faszination!<br />
Sie werden immer Teil der epischen Geschichte des Ensemble Musikfabrik sein.</p>
<p style="text-align: left;"><em>Marco Blaauw</em></p>
            </div>
        </div>
    </div>
</div>
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        <div class="row">
            <div class="col col-custom-1">
				            </div>
            <div class="col col-custom-2">
				<p>Lockdown Tape #9 &#8211; <strong>George Lewis</strong>: <em>Oraculum</em> (2016)</p>
<p><a href="https://www.musikfabrik.eu/de/blog/mufa_gallery/bruce-collings/">Bruce Collings</a>, Posaune</p>
<p>Janet Sinica, Video</p>
            </div>
        </div>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Studio Musikfabrik Trailer</title>
		<link>https://www.musikfabrik.eu/de/blog/studio-musikfabrik-trailer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redakteur 1]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Nov 2023 10:04:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Video]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.musikfabrik.eu/?p=12419</guid>

					<description><![CDATA[Neuer Trailer des Studio Musikfabrik ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="ce ce-twocol bgr-yellow pt-medium" >
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        <div class="row">
            <div class="col col-custom-1">
				<p>&nbsp;</p>
            </div>
            <div class="col col-custom-2">
				<p><strong>Studio Musikfabrik</strong> – <em>Concert Impressions</em><br />
Vom Konzert <em>Death &amp; Desire</em><br />
14. Okt 2023, Alte Feuerwache, Köln</p>
<p><strong>Sean Quinn</strong> – <em>death &amp; desire</em> (2021 &#8211; 23) Uraufführung<br />
<strong>Dieter Mack</strong> – <em>Kammermusik II</em> (1991)<br />
<strong>Malika Kishino</strong> – <em>Schmetterlingstanz</em> (shortened version, 2023)<br />
<strong>Kee Yong Chong</strong> – <em>Splattered landscape IIb &#8211; cloud&#8217;s echoing</em> (2007)</p>
<p>Studio Musikfabrik – Jugendensemble des Landesmusikrats NRW<br />
Peter Veale, Dirigent</p>
<p>Janet Sinica, Video / Schnitt</p>
            </div>
        </div>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Helen Bledsoe &#038; Petros Ovsepyan</title>
		<link>https://www.musikfabrik.eu/de/blog/helen-bledsoe-petros-ovsepyan/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redakteur 1]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Nov 2023 10:02:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Video]]></category>
		<category><![CDATA[Montagskonzert]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.musikfabrik.eu/?p=12382</guid>

					<description><![CDATA[Die Geschichte von Helen Bledsoe und Petros Ovsepyan]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="ce ce-onecol pt-medium" >
    <div class="container">
        <div class="row">
            <div class="col">
				<p>Am 6. November wird beim Montagskonzert <em>Airs Between</em>, das neue Stück von Petros Ovsepyan, uraufgeführt. Kuratorin Helen Bledsoe erzählt, wie sie den armenisch-amerikanischen Komponisten während ihres Studiums kennenlernte:</p>
<p>&#8222;Petros und ich haben zur gleichen Zeit an der Indiana University in Bloomington studiert. Wir lernten uns dort 1988 kennen, er studierte Komposition bei Claude Baker und ich spielte im Ensemble für zeitgenössische Musik. Petros wuchs in der ehemaligen Sowjetunion auf, er sprach also Russisch. Da ich im Nebenfach Slawistik studierte, fühlte ich mich geehrt, als ich mit ihm und den anderen russischsprachigen Studenten abhängen konnte, sie waren sehr geduldig mit meinen Versuchen, Russisch zu sprechen!</p>
<p>Jahre später kam ich an meinem ersten Unterrichtstag in Amsterdam an, und die erste Person, die ich in der Kantine sah, war Petros! Es war völlig unerwartet, ein vertrautes Gesicht zu sehen. Wir unterhielten uns viel, und ich lernte schließlich seine Musik als Interpret kennen &#8211; zunächst seine <em>IV</em> für Flöte, Klarinette und Trompete und <em>The C of Love</em> für Flöte und Gitarre. Im Jahr 2014 habe ich sein <em>Precipitate/Reciperated für Flöte</em> hier im Studio der Musikfabrik uraufgeführt.&#8220;</p>
<p><em>Helen Bledsoe</em></p>
            </div>
        </div>
    </div>
</div>
<div class="ce ce-twocol bgr-yellow pt-large" >
    <div class="container">
        <div class="row">
            <div class="col col-custom-1">
				            </div>
            <div class="col col-custom-2">
				<p><strong>Petros Ovsepyan</strong> – <em>Precipitate/Reciperated </em>(2013)<br />
für Flöte solo</p>
<p><a href="https://www.musikfabrik.eu/de/ensemble/mitglieder/helen-bledsoe/">Helen Bledsoe</a>, Flöte</p>
<p>Valerij Lisac, Video und Schnitt<br />
Florian Zwißler, Tonaufnahme</p>
<p>Aufnahme im Studio des Ensemble Musikfabrik vom 14. Dezember 2014</p>
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		<title>Widerstand und Funkenflug</title>
		<link>https://www.musikfabrik.eu/de/blog/widerstand-und-funkenflug/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redakteur 1]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Jan 2023 14:41:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Werktext]]></category>
		<category><![CDATA[Musikfabrik im WDR]]></category>
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					<description><![CDATA[Milica Djordjević verrät, wie ein neues Stück entsteht. Ein Text von Raoul Mörchen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="ce ce-onecol " >
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				<p><strong>Am <a href="https://www.musikfabrik.eu/de/kalender/musikfabrik-im-wdr-84/" target="_blank" rel="noopener">29. Januar</a> spielen wir die Uraufführung von Milica Djordjevićs Werk <em>Nalet </em>im Rahmen unserer Reihe &#8222;Musikfabrik im WDR&#8220;, beim Festival <a href="https://www.achtbruecken.de/de/" target="_blank" rel="noopener">ACHT BRÜCKEN</a> dürfen wir Solokompositionen der serbischen Komponistin uraufführen. Raoul Mörchen hat im Vorfeld mit der Komponistin gesprochen und verrät, wie bei ihr ein neues Stück entsteht. </strong></p>
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				<p><span style="font-weight: 400;">Das neue Ensemblewerk ist noch längst nicht beendet, und Milica Djordjević hat eines gelernt: dann besser auch nicht drüber sprechen. „Es mir schon passiert, dass ich Dinge angekündigt habe, die ich dann später doch komplett verworfen habe. Komponieren ist bei mir ein Prozess mit leicht chaotischen Zügen.“ Weder der konkrete Verlauf noch das Ende dieses Prozesses folgen einem festen Schema –auch die Anfänge ähneln sich nie, müssen mit wechselnden Strategien erkämpft werden. Ihr fallen die Dinge nicht in den Schoß, sagt Djordjević, immer wieder müsse sie neu von vorn ansetzen, um aus einer dunklen Vorstellung, einer Art großem „Murmeln“, Ideen, Klänge und Materialien herauszukristallisieren, mit denen sie dann arbeiten könne.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dabei mangelt es nicht an Inspiration. Seit der Schulzeit schlägt das Herz der gebürtigen Serbin gleichermaßen für die Naturwissenschaften und die bildende Kunst, dazu kommen Anregungen aus der Literatur und dem politischen Zeitgeschehen. Und manchmal überlagern sich die Felder auch, wie beim Schlagzeugkonzert </span><i><span style="font-weight: 400;">Jadarit</span></i><span style="font-weight: 400;">, das Milica Djordjević kürzlich für Musikfabrik-Schlagzeuger Dirk Rothbrust geschrieben hat: Jadarit ist ein extrem seltenes, erst vor wenigen Jahren entdecktes Mineral, das ziemlich genau dem legendären Kryptonit aus dem Superman-Kosmos entspricht. Benannt ist es nach seinem einzigen Fundort, dem Jadar-Tal in Serbien, und es enthält neben Bor auch das für die Batterie-Herstellung essentielle Element Lithium. Der Abbau ist in Serbien ein hart umkämpftes Politikum. Ökonomie steht gegen Ökologie, die Aussicht auf extremen Profit gegen eine kaum vermeidbare Naturzerstörung größten Ausmaßes. All das ist schließlich eingeflossen in die Arbeit: die wissenschaftliche Faszination am neuen Element, die skurrile Koinzidenz des Faktischen mit dem Fiktiven und die Sorge um einen ökologischen Kahlschlag, der beinahe ein Drittel des gesamten Landes verwüsten könnte. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Soviel will Milica Djordjević dann übrigens doch verraten: das neue Solostück für Dirk Rothbrust &#8211; eines von dreien, das bei ihr für Mitglieder des Ensembles Musikfabrik in Auftrag gegeben worden ist für das Kölner Festival „Acht Brücken“ in 2023 – wird an diesen Komplex anknüpfen. Und zwar nicht nur thematisch, sondern auch musikalisch: „Ich möchte Material aus dem Konzert quasi wie Stammzellen in das Solo implantieren.“ Und so ist es auch bei vielen anderen, eigentlich bei all ihren Partituren: „aus jeder Partitur fliegen Funken in die nächste.“</span></p>
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				<figure id="attachment_11006" aria-describedby="caption-attachment-11006" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-11006 size-full" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2023/01/M_Djordjevic-©-Astrid_Ackermann.jpg" alt="" width="1000" height="667" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2023/01/M_Djordjevic-©-Astrid_Ackermann.jpg 1000w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2023/01/M_Djordjevic-©-Astrid_Ackermann-300x200.jpg 300w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2023/01/M_Djordjevic-©-Astrid_Ackermann-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption id="caption-attachment-11006" class="wp-caption-text">Milica Djordjevic © Astrid Ackermann</figcaption></figure>
<p><span style="font-weight: 400;">Was auch immer Milica Djordjević inspiriert – die Idee führt nie direkt zur Partitur, sondern sucht den Umweg über die Zeichnung. „Für mich persönlich ist das das natürlichste und intuitivste Mittel, die Klänge und Formen, die ich mir vorstelle, zu zeichnen. So gewinne ich Klarheit darüber, was ich tun werde.“ Ist einmal die Form in groben Zügen entworfen, hebt sie ihre Baustellen an ganz unterschiedlichen Orten aus. „Ich muss nicht mit dem Anfang anfangen und gehe sowieso nicht strikt chronologisch vor, nicht Takt für Takt. Manchmal arbeite ich erst einmal die Mitte genauer aus und spring dann weiter vor oder zurück.“ </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Und das Ende? Ist nicht unbedingt das Ende. So gerne Milica Djordjević ihre Arbeit im Austausch mit ihren Interpreten entwickelt, vor allem bei Solostücken, so so bereitwillig passt sie bei Proben oder auch nach Aufführungen noch einmal Details an, reagiert auf eigene Beobachtungen und Hinweise anderer. „Im engen Kontakt mit den Musikern können magische Dinge passieren.“ </span></p>
<p><em>Raoul Mörchen</em></p>
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		<title>Eine Aufforderung zum Tanz</title>
		<link>https://www.musikfabrik.eu/de/blog/eine-aufforderung-zum-tanz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mareike]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jun 2022 07:35:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.musikfabrik.eu/?p=9416</guid>

					<description><![CDATA[Was, wenn Du ein Komponist, ein Improvisator, ein Experte für elektronische Musik bist - und all das in die Tuba packen willst?
Melvyn Poore beendet Ende dieses Monats seine Zeit als aktives Mitglied des Ensemble Musikfabrik. Ein Artikel von Christine Chapman und Marco Blaauw]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="ce ce-hero pb-small" ">
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                    <span class="bar-style">Melvyn Poore © Paul Leclaire</span>
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            <div class="col col-custom-1">
				<p>Was, wenn Du in einer Musikkapelle der Heilsarmee Hymnen spielst, sobald Du ein Instrument in der Hand halten kannst &#8211; und es nie wieder weglegst?</p>
<p>Was, wenn Du keine Tuba studierst &#8211; aber trotzdem ein professioneller Tuba-Spieler wirst?</p>
<p>Was, wenn Du Dein Repertoire erweitern willst &#8211; aber nur mit Musik, die noch nie zuvor gehört wurde?</p>
<p>Was, wenn Du ein Komponist, ein Improvisator, ein Experte für elektronische Musik bist &#8211; und all das in die Tuba packen willst?</p>
<p>Was, wenn Du Teil der britischen experimentellen Musikszene warst &#8211; und diesen Weg auch auf dem Kontinent weitergehen willst?</p>
<p>Was, wenn Du Dich für Indeterminacy (Unbestimmtheit) begeisterst &#8211; aber die Welt ständig auf ein vorhersehbares Ergebnis setzt?</p>
<p>Was, wenn Du ein leidenschaftlicher Vermittler zwischen Neuer Musik und neuen Hörern bist?</p>
<p>Was, wenn Dein englischer Sinn für Humor in Deutschland ein Ventil sucht?</p>
<p>Was, wenn die Musik Dich zum Tanzen bringt &#8211; gleichgültig, ob andere sie auch so hören oder nicht?</p>
<p>Was, wenn Dein Instrument gar nicht Tuba heißt, sondern Es-Bass?</p>
<p>Und was, wenn ein Schalltrichter nicht ausreicht?</p>
<p>Was dann?</p>
<p>Bei so vielen einzigartigen Eigenschaften liegt es auf der Hand, Mitglied im Ensemble Musikfabrik zu werden &#8211; und dann damit zu beginnen, das Ensemble in Richtung Zukunft voranzutreiben.</p>
<p>&nbsp;</p>
            </div>
            <div class="col col-custom-2">
				<p>Seit nahezu 30 Jahren profitiert das Ensemble von Melvyn Poores unvergleichlichem Input, seinen verblüffenden tiefen Tönen, ätherisch hohen Frequenzen und rätselhaften, nicht identifizierbaren Klängen. Seine provokanten Gedanken und Ideen standen oft im Widerspruch zum kollektiven Denken der Gruppe, wie z. B. die Verwendung des Computers für die Verwaltungsaufgaben und die Musikproduktion, neben vielen anderen Konzepten. (Zu der Zeit, als Melvyn der Musikfabrik beitrat, bevorzugte das Ensemble Faxgeräte und besaß nur einen PC.) Seine führende Rolle bei der Arbeit an Gruppendynamik und Ensemblebildung, seine Bemühungen, die britische experimentelle Schule, Cage und viele andere weniger bekannte, aber einflussreiche Komponisten in unser Repertoire einzuführen &#8211; sowie seine Begabung als Improvisator, Pädagoge und einfach wunderbarer Mensch &#8211; haben dem Ensemble viele Qualitäten verliehen, die unverwechselbar und prägend sind.</p>
<p>Seine Verdienste haben dazu beigetragen, das Ensemble Musikfabrik als eines der angesehensten, kreativsten und erfolgreichsten Ensembles für zeitgenössische Musik weltweit zu etablieren. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, Melvyn Poore für alles zu danken, was er für das Ensemble geleistet hat. Es soll laut und deutlich gesagt werden: Bei allem, was wir von unserem lieben Kollegen über Musik, Ausdruck und Leben gelernt haben, tanzt keiner von uns so zur Musik wie Melvyn.</p>
<p><em>Christine Chapman und Marco Blaauw</em></p>
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                                © Klaus Rudolph                            </figcaption>
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                                © Janet Sinica                            </figcaption>
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                                © Klaus Rudolph                            </figcaption>
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                                © Janet Sinica                            </figcaption>
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                                Linkage! © Janet Sinica                            </figcaption>
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                                Melvyn Poore © Klaus Rudolph                            </figcaption>
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				<p>&nbsp;</p>
<p><a class="btn-cta" href="https://www.musikfabrik.eu/de/blog/four6/" target="_blank" rel="noopener">Mehr</a></p>
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		<title>Working on: Thousand dead bodies</title>
		<link>https://www.musikfabrik.eu/de/blog/working-on-thousand-dead-bodies/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redakteur 1]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Aug 2021 14:27:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Video]]></category>
		<category><![CDATA[CD]]></category>
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					<description><![CDATA[Video-Interview mit Turgut Erçetin über seine Arbeit mit Ensemble Musikfabrik]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="ce ce-twocol bgr-yellow pt-xlarge" >
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				<p><strong>Turgut Erçetin</strong> &#8211; <em>Thousand dead bodies under my bed, all cloaked with the breath of the living</em> (2019/20)<br />
Kompositionsauftrag von Kunststiftung NRW und Ensemble Musikfabrik</p>
<p>Turgut Erçetin, Komponist/Interview<br />
Carl Rosman, Klarinette/Interview<br />
Aaron Cassidy, Dirigent<br />
Ensemble Musikfabrik</p>
<p>Hans Fahr, Video/Schnitt</p>
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				<p>Im Juli haben wir mit Aaron Cassidy an einem neuen Stück von Turgut Erçertin gearbeitet und es im WDR Funkhaus aufgenommen. Leider konnte wegen der Corona-Pandemie kein Publikum eingelassen werden. Aber wir haben einen kurzen Teaser produziert, in dem Turgut Erçetin und Carl Rosman einen Einblick in dieses spannende Auftragswerk der Kunststiftung NRW und des Ensemble Musikfabrik geben. Wir sind sehr gespannt auf die Aufnahme, die als CD in der Edition Zeitgenössische Musik des Deutschen Musikrats erscheinen wird.</p>
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				<h5>Directivity patterns of a euphonium and bassoon</h5>
<figure id="attachment_2683" aria-describedby="caption-attachment-2683" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-2683" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/directivity_patterns-300x152.jpg" alt="© Samuel D. Bellows, K. Joshua Bodon, and Timothy W. Leishman" width="300" height="152" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/directivity_patterns-300x152.jpg 300w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/directivity_patterns-1024x517.jpg 1024w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/directivity_patterns-768x388.jpg 768w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/directivity_patterns-1536x776.jpg 1536w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/directivity_patterns-2048x1034.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-2683" class="wp-caption-text">© Samuel D. Bellows, K. Joshua Bodon, and Timothy W. Leishman</figcaption></figure>
<h5>Setup of <em>Thousand dead bodies </em>in the WDR Funkhaus</h5>
<figure id="attachment_2689" aria-describedby="caption-attachment-2689" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-2689" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/setup-300x169.jpg" alt="" width="300" height="169" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/setup-300x169.jpg 300w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/setup-1024x576.jpg 1024w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/setup-768x432.jpg 768w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/setup-1536x864.jpg 1536w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/setup-2048x1152.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-2689" class="wp-caption-text">© Turgut Erçetin</figcaption></figure>
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				<h5>Sound propagation in the WDR Funkhaus</h5>
<figure><img decoding="async" class="size-medium wp-image-2685" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/room_1-300x169.jpg" alt="" width="300" height="169" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/room_1-300x169.jpg 300w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/room_1-1024x576.jpg 1024w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/room_1-768x432.jpg 768w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/room_1-1536x864.jpg 1536w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/room_1-2048x1152.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
<figure id="attachment_2687" aria-describedby="caption-attachment-2687" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-2687" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/room_2-300x169.jpg" alt="" width="300" height="169" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/room_2-300x169.jpg 300w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/room_2-1024x576.jpg 1024w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/room_2-768x432.jpg 768w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/room_2-1536x864.jpg 1536w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/room_2-2048x1152.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-2687" class="wp-caption-text">© Turgut Erçetin</figcaption></figure>
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		<item>
		<title>Imaginäres Theater: Unsuk Chins &#8222;cosmigimmicks&#8220; (2011/12)</title>
		<link>https://www.musikfabrik.eu/de/blog/imaginaeres-theater-unsuk-chins-cosmigimmicks-2011-12/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[tim]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jan 2021 14:04:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Werktext]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Text von Guido Fischer zum Anlass der Produktion von Unsuk Chins Ensemblewerk]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="ce ce-twocol fullwidth pb-small pt-medium" >
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				<p>1985 war Unsuk Chin 24 Jahre alt, voller Tatendrang und Abenteuerlust. Und obwohl sie bereits einige Kompositionspreise gewonnen hatte, wollte sie sich den letzten Feinschliff unbedingt beim Neue Musik-Granden, György Ligeti, in Hamburg holen. Doch kaum hatten sich beide das erste Mal getroffen, muss Ligeti wieder einmal seine berühmte „Motzmiene“ (Unsuk Chin) aufgesetzt und seine zukünftige Studentin auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt haben: „Ligeti sagte zu mir, alle meine Kompositionen wären unoriginell und ich sollte sie lieber wegwerfen.“ Das saß. Die nächsten drei Jahre konnte Chin keine Note mehr zu Papier bringen. Trotzdem blickt sie heute nicht im Groll auf ihre Hamburger Jahre zurück. Immerhin verband sie mit ihrem schonungslosen Lehrer der grundlegende Zweifel an einer fortschrittsgläubigen Musik-Avantgarde: „So viele Dinge, von denen wir glauben, wir hätten sie erfunden, existieren bereits – in der frühen europäischen wie in der nichteuropäischen Musik.“</p>
<p>Das musikalische Rad will Unsuk Chin seitdem nicht mit aller Macht neu erfinden. Und dennoch gehört die gebürtige Südkoreanerin und inzwischen eingefleischte Wahl-Berlinerin längst zu den faszinierendsten, fantasievollsten und damit eben doch erfindungsreichsten Stimmen innerhalb der zeitgenössischen Musikszene. Von Simon Rattle bis zum Kronos Quartet spielen prominenteste Interpreten ihre Stücke. 2007 wurde ihre von Kent Nagano in München dirigierte Oper <em>Alice in Wonderland</em> gar zur „Uraufführung des Jahres“ gewählt. Und bereits drei Jahre zuvor, 2004, erhielt die Komponistin für ihr Violinkonzert den mit 200.000 Dollar dotierten „Grawemeyer Award for Music Composition“.</p>
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				<p>Unsuk Chins <em>cosmigimmicks</em> wurde 2012 in Amsterdam vom Nieuw Ensemble uraufgeführt. Ein Jahr später, im April 2013, fand im Rahmen der Wittener Tage für neue Kammermusik die Deutsche Erstaufführung statt. Als „Pantomime“ bezeichnet die Koreanerin ihre Komposition für sieben Musiker. Inspiriert hat sie dazu das Instrumentarium des Uraufführungsensembles. „Zupfinstrumente (Gitarre, Mandoline und Harfe) spielen die Hauptrolle, während sich die anderen Instrumente (präpariertes Klavier, Violine, Trompete und Schlagzeug) verkleiden, um sich einem Masken- und Mimikryspiel anzuschließen“, so Chin in ihrem Werkkommentar. „Häufig verschmelzen alle Instrumente zu einem einzigen ‚Superinstrument‘: Sowohl der Pianist als auch der Geiger ahmen die Zupfinstrumente nach, die ersteren durch Vorbereitung, die letzteren durch Anwendung ungewöhnlicher Spieltechniken. Last but not least wird die Reihe der Schlaginstrumente (die teilweise auch vom Trompeter gespielt werden) eingesetzt, um mit den anderen Instrumenten eine größtmögliche Symbiose des Klangs zu erreichen. Das gesamte Timbre des Stücks ist metallisch und sehr zerbrechlich.“</p>
<p>Was sich jedoch hinter dem Titel „cosmigimmicks“ verbirgt, will Chin nicht verraten. Zerlegt man den Titel aber beispielsweise in „Kosmos“ und „Gimmicks“, könnte man ihn als „Universelles Werbegeschenk“ bezeichnen. Ihren Sinn fürs Nonsensehafte hat Chin jedenfalls von ihrem alten und überaus strengen Lehrer György Ligeti, dem sie nun auch den dritten Satz „Thall“ gewidmet hat.</p>
<p><em>Guido Fischer</em></p>
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				<p>Wenngleich das Stück offiziell als „Pantomime“ fungiert, hat gleich der erste Satz „Shadow Play“ nichts mit dieser jahrtausendealten Ausdrucksform zu tun, sondern erinnert an die Kunst des Schattenpuppentheaters. „Es beginnt mit bloßem Rauschen, aus dem allmählich Töne und Harmonien entstehen. Die musikalischen Gesten sind schattenhaft. Diese Gesten sind rätselhaft, unfassbar und unvorhersehbar wie Kafkas Odradek.“ Der zweite Satz „Quad“ geht auf zwei gleichnamige Fernsehspiele von Samuel Beckett zurück, die der irische Schriftsteller 1981 für den Süddeutschen Rundfunk produzierte. Darin schreiten die Schauspieler ein Quadrat auf geometrisch strengen Wegen ab. Bei Unsuk Chin wird daraus eine streng rhythmische Szenerie, in der sich jedes Instrument in eine Art Schlagzeug verwandelt. Der Titel des dritten Satzes „Thall“ ist schließlich Koreanisch und bedeutet ‚Maske‘. „Die Gitarre steht im Zentrum dieses Satzes und spielt eine Quasi-Melodie, die aus wenigen Mikrotönen besteht und immer wieder wiederholt wird. In Übereinstimmung mit den sich ändernden Harmonien der anderen Instrumente ändert sich diese ‚Melodie‘, ähnlich einer Transformation des Gesichtsausdrucks einer Pantomime. Der Gesamtcharakter von „Thall“ ist sowohl leicht sentimental wie auch makaber und beschreibt die Psyche einer zerrissenen Person, wobei die Veränderung der mentalen Zustände durch Veränderung der harmonischen Sprache veranschaulicht wird.“</p>
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				<figure id="attachment_605" aria-describedby="caption-attachment-605" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-605 size-full" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/09/srgb_chin_unsuk_233050105.jpg" alt="" width="912" height="1368" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/09/srgb_chin_unsuk_233050105.jpg 912w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/09/srgb_chin_unsuk_233050105-200x300.jpg 200w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/09/srgb_chin_unsuk_233050105-683x1024.jpg 683w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/09/srgb_chin_unsuk_233050105-768x1152.jpg 768w" sizes="(max-width: 912px) 100vw, 912px" /><figcaption id="caption-attachment-605" class="wp-caption-text">Unsuk Chin, Komponistin / 09.06.2013 / WDR / Koeln</figcaption></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>The Music of Unsuk Chin</title>
		<link>https://www.musikfabrik.eu/de/blog/the-music-of-unsuk-chin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redakteur 1]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2020 09:06:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.musikfabrik.eu/?p=8512</guid>

					<description><![CDATA[Lucid sonic objects - ein Artikel über die Musik von Unsuk Chin von Hanno Ehrler]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="ce ce-headline pb-medium align-center">
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				<h3>Lucid sonic objects</h3>            </div>
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				<p>Niemand habe sie musikalisch so sehr geprägt wie György Ligeti, sagt Unsuk Chin über ihren Kompositionslehrer. Das hört man auch. Beide, Ligeti und Chin, legen großen Wert auf die Klangfarblichkeit ihrer Musik. Auch einen anderen Aspekt hat das Schaffen beider gemeinsam: bei aller Verschiedenheit sind ihre Klangsprachen jeweils so eigenwillig, dass sie sich gegen eine Einordnung in die stilistischen Entwicklungslinien der neuen Musik sträuben. Für die koreanische Komponistin hatte das zur Folge, dass ihre Werke auf den einschlägigen Festivals der zeitgenössischen Musik nur selten aufgeführt werden.</p>
<p>Dagegen hört man sie häufig im klassischen Konzertbetrieb. Das ist sehr ungewöhnlich für zeitgenössische Musik, zumal Unsuk Chin sich mitnichten anpasst und alles andere als „gefällig“ komponiert. Ihre künstlerische Haltung ist kompromisslos. Wenn sie ein Stück schreibt, geht es ihr nur um die Musik. Ihr sei es ganz gleich, sagt sie, was danach mit dem Werk geschehe. Mit dem schlichten Satz „Ich bleibe einfach ich“ beschreibt sie einen wesentlichen Charakterzug ihrer Arbeit: authentisch zu sein. Ihre Werke strahlen diese Authentizität aus. Darauf gründet ihr großer Erfolg, der zugleich beweist, dass anspruchsvolle neue Musik ohne weiteres ein breites Publikum erreichen kann.</p>
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				<figure id="attachment_6906" aria-describedby="caption-attachment-6906" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-6906 size-full" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2022/02/Unsuk-Chin-©-Klaus-Rudolph-Chin_Unsuk_233050104.jpg" alt="" width="1000" height="667" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2022/02/Unsuk-Chin-©-Klaus-Rudolph-Chin_Unsuk_233050104.jpg 1000w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2022/02/Unsuk-Chin-©-Klaus-Rudolph-Chin_Unsuk_233050104-300x200.jpg 300w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2022/02/Unsuk-Chin-©-Klaus-Rudolph-Chin_Unsuk_233050104-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption id="caption-attachment-6906" class="wp-caption-text">Unsuk Chin © Klaus Rudolph</figcaption></figure>
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            <div class="col col-custom-2">
				<p>Unsuk Chin lebt seit drei Jahrzehnten in Berlin, versteht sich als Teil einer internationalen Musikkultur und möchte auf keinen Fall, nur weil sie Koreanerin ist, in die asiatische Schublade gesteckt werden. Auch wenn sie gelegentlich koreanische Instrumente verwendet ist ihr kompositorisches Denken international. Im Stück „Gougalon“ zum Beispiel zitiert sie mit dem Titel ein altdeutsches Wort, das in etwa „gaukeln“ bedeutet. Es bezieht sich auf Jahrmarkts- und Straßenkunst, die Unsuk Chin kürzlich in China erlebte und auch aus ihrer Jugend in Korea kennt. Ihr Stück spielt somit nicht auf eine bestimmte Kultur an, sondern versinnbildlicht eine imaginäre Volksmusik. Unsuk Chin stilisiert volksmusikalische Eigenheiten und integriert sie in ihre musikalische Sprache, die eine komplexe zeitgenössische ist.</p>
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				<p>Ohne dass man es direkt hört, spielt das Klavier in Chins musikalischem Leben eine große Rolle. Denn eigentlich wäre die Komponistin gerne Pianistin geworden. Ihren unerfüllten Traum lebt sie in Klavierwerken aus. Neben einer Reihe von Solo-Kompositionen gibt es zwei orchestral konzipierte Werke, in denen das Tasteninstrument erscheint, unter ihnen das „Double Concerto“.<br />
Allerdings treten die Solisten an Klavier und Schlagzeug nicht als solche in den Vordergrund. Ja es ist sogar das Ziel der Komponistin, die Soloinstrumente mit dem Ensembleklang zu verschmelzen und damit das Prinzip des Konzerts, die Gegenüberstellung von Solisten und Ensemble, aufzuheben. Unsuk Chin spricht von einer „Fusion“, die ein homogenes Ganzes ergeben soll, einen geschlossenen Klangkörper.</p>
<p>Auch in anderen Werke möchte die Komponistin solche Klangkörper erzeugen. Die Farbigkeit der Musik spielt da eine zentrale Rolle. Das Interesse Unsuk Chins an Farben gründet auf ihrem persönlichem Erleben. Seit frühester Jugend verbindet sie mit jedem Ton eine konkrete Farbvorstellung, zum Beispiel gelb mit schwarzen Streifen. Das sind elementare Erfahrungswelten, die Chins Komponieren prägen. Die unmittelbare, spontane Wirkung ihrer Musik hat sicherlich mit dieser Fokussierung auf die Klangfarbe zu tun, den wohl sinnlichsten der musikalischen Parameter.</p>
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				<p>Zur Farbigkeit von Chins Musik gehört auch Geräuschhaftes. Im „Double Concerto“ sind einige Saiten des Klaviers präpariert, sodass perkussiv wirkende Klänge entstehen. Das fließt in den Gesamtklang ein, den Unsuk Chin mit ihrem sehr feinen Sinn für die Klang-Valeurs der Instrumente gestaltet. Zu Chins Klangdenken gehört auch das besondere Interesse an Frauenstimmen, das in „Cantatrix Sopranica“ aufscheint. Dem Werk liegen Nonsense-Texte zugrunde, sodass die Textvertonung weitgehend frei von semantischen Assoziationen bleibt. Auch hier geht es Unsuk Chin um den Klang. Die Komponistin zielt auf eine Symbiose zwischen Text als Klang und den Sound der Stimmen und Instrumente.</p>
<p>Dabei weicht Chins Formulierung der Klangfarben vom Gewohnten ab. Ihre Musik ist von einer besonderen Aura umhüllt, vom Hauch des Besonderen, des so noch nie Gehörten. Beschreibungen dieser Klangfarblichkeit erweisen sich als schwierig, weshalb die Musik mangels angemessener Begriffe unter anderem „unergründlich“, „rätselhaft“ oder „neuimpressionistisch“ genannt wurde.</p>
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				<figure id="attachment_2915" aria-describedby="caption-attachment-2915" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-2915" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/acht-bruecken-170502.jpeg" alt="" width="800" height="800" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/acht-bruecken-170502.jpeg 907w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/acht-bruecken-170502-300x300.jpeg 300w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/acht-bruecken-170502-150x150.jpeg 150w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/11/acht-bruecken-170502-768x768.jpeg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-2915" class="wp-caption-text">Unsuk Chin, Peter Rundel © Klaus Rudolph</figcaption></figure>
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				<p>Das hängt auch damit zusammen, dass sich hinter der klanglichen Fassade sorgfältig konstruierte Strukturen verbergen. Klangfarbe fungiert in Unsuk Chins Musik nicht als Stützglied der musikalischen Architektur. Sie ist eine Oberflächenkontur im Vordergrund des Geschehens, die die Musik natürlich und organisch wirken lässt. Aber eigentlich verdankt sich diese Wirkung der strengen Konstruktion der Musik. Chin verlässt sich weder auf Intuitionen noch auf ein Bauchgefühl oder pure Spontaneität. Sie versucht, alle Elemente eines Stücks in ein strukturelles Konzept einzubinden. So kommt es, dass die Musik, selbst wenn sie dicht und komplex wird, klar und luzid erscheint und einen eigenwilligen Glanz ausstrahlt.</p>
<p><em>Autor: Hanno Ehrler<br />
Der Artikel wurde zuerst in unserer <a href="https://www.musikfabrik.eu/de/ensemble/presse/saisonbroschueren/" target="_blank" rel="noopener">Broschüre</a> veröffentlicht.</em></p>
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		<title>Work in Progress</title>
		<link>https://www.musikfabrik.eu/de/blog/work-in-progress/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redakteur 1]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2020 09:04:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Montagskonzert]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.musikfabrik.eu/?p=8615</guid>

					<description><![CDATA[Der Komponist Marcin Stanczyk über seine Zusammenarbeit mit den Blechbläsern des Ensembles für das Montagskonzert "Progress".]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="ce ce-onecol " >
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				<p><em>Aufgrund der aktuellen Situation konnte unser Montagskonzert, das für den 30. März angesetzt war, nicht stattfinden. Für dieses Programm arbeiteten Kurator Marco Blaauw und die Blechbläsergruppe des Ensembles eng mit dem Komponisten Marcin Stanczyk zusammen. Zusammen arbeiteten sie &#8211; als work in progress &#8211; kollaborativ an zwei neuen Stücken. Hier auf dem Blog gibt Marcin Stanczyk einen Einblick in seine Arbeit und beantwortet einige Fragen zum Programm, wie es ursprünglich geplant war.</em></p>
<p><strong>Für das Montagskonzert mit dem Titel &#8222;Progress&#8220; wollten die Blechbläser des Ensembles Stücke aufführen, die sich aktuell noch in der Entwicklung befinden. Wie kam es zu dieser Entscheidung, laufende Arbeiten zu präsentieren?</strong></p>
<p>Ich und die Mitglieder des Blechbläserquartetts der Musikfabrik haben in der Vergangenheit mehrmals über die Möglichkeit gesprochen, ein neues Stück für sie zu schreiben. Ihre Doppeltrichterinstrumente sind unverwechselbar. Man kann nicht über sie aus Büchern lernen, weil die Entwicklung dieser Instrumente relativ neu ist, sie sind völlig einzigartig und  für jeden einzelnen Musiker anders gemacht. Die einzige Möglichkeit, sie zu verstehen, besteht darin, ihre Besonderheiten aus der Live-Erfahrung, dem Zuhören und der Arbeit mit den Spielern kennen zu lernen. Ich habe schon früher mit den Musikern gearbeitet, aber bei Stücken als Teil eines größeren Ensembles. Ich wusste, wenn ich ein Quartett für Doppeltrichterblasinstrumente schreiben möchte, bräuchte ich mehr Erfahrung. Ich erzählte dies den Musikern und ein paar Monate später schlug Marco Blaauw, der Kurator dieses Montagskonzertes, vor, das Material für ein neues Stück zu erarbeiten, indem man mit vorbereiteten Skizzen und neuen Ideen arbeitet, ihr Potenzial der Weiterentwicklung auslotet und ein Werk <em>in progress</em> vorgibt, das zeigt, wie ein Komponist und Musiker zusammenarbeiten.</p>
<p><strong>Mit welcher Methode habt ihr für Progress zusammen gearbeitet?</strong></p>
<p>Progress ist sowohl der Titel des Konzerts als auch der vorläufige Titel eines meiner Stücke &#8211; ein Duo für Moog-Synthesizer und &#8222;elektrische&#8220; Trompete (ausgestattet mit einem Gitarrenverstärker). Ich habe diesen Begriff mit grès Porzellangut  verbunden, das eine hohe Abriebfestigkeit hat. Das brachte mich auf die Idee, solide Klangblöcke aus rauen Geräuschen zu erzeugen, die mit dem Moog-Synthesizer leicht zu erreichen sind, aber im Falle der Trompete sind einzigartige Fähigkeiten (und ein Verstärker) erforderlich, um sie zu steuern.</p>
<p>Aber metaphorisch gesprochen würde ich sagen: Ich glaube, dass wir, um in der Musik, beim Komponieren und Erleben Fortschritte zu machen, zu der wirklichen Hörerfahrung zurückkehren müssen, die unsere Vorstellungskraft noch steigern kann. Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt zu sehr davon besessen sind, Musik &#8222;wie ein Computer&#8220; als eine Abfolge von aufeinander folgende Ereignissen wahrzunehmen, die aus immer mehr gemischten und unterschiedlichen Elementen aufgebaut sind, insbesondere aus visuellen Elementen, die die Musik oft zerstören und nur manchmal erweitern. Ich frage mich, warum so viele Richtungen der visuellen Kunst des XX. Jahrhunderts direkt und weitgehend auf die Musik übertragen wurden, mit einer Ausnahme &#8211; dem Surrealismus. Bedeutet das, dass Musiker weniger Fantasie hatten als Maler?</p>
<p>Diesem Beispiel folgend plante ich für das Doppeltrichterquartett, eine Mehrkanalaufnahme aller vier Instrumente in einem Resonanzraum vorzubereiten und sie mit der Musik zu mischen, die von denselben Musikern auf denselben Instrumenten live gespielt wird, die während des Spiels mit verbundenen Augen durch das Publikum gehen. Dies wäre eine Art metavirtuelles Blechbläserquartett, das aus zwei Quartetten und zwei verschiedenen Raumresonanzen besteht, die sich in der Hoffnung vermischen, eine Art surrealistische Erfahrung zu schaffen. Ich glaube, wenn wir in uns eine Art kindliche Naivität finden, können wir die Musik als reine Raum- und Klangerfahrung genießen und unsere Vorstellungskraft wird erstaunliche surreale Bilder erzeugen, fast wie ein Film, bei dem die &#8222;Geschichte&#8220; nicht auf die Leinwand, sondern auf unsere geschlossenen Augenlider projiziert wird, und mehr noch &#8211; jeder &#8222;Film&#8220; wird für jeden Rezipienten einzigartig und anders sein.</p>
<p><strong>Ein Stück des Programms heißt &#8222;Aftersounds&#8220;, ein Konzept, das dich durch das optische Phänomen des &#8222;Nachbildes&#8220; inspiriert hat. Kannst du erklären, was “Nachklänge” sind und wie man sie in deiner Musik finden kann?</strong></p>
<p>Ich bin seit einigen Jahren von der Idee der “aftersounds” oder “afterhearings”  inspiriert. Im Laufe der Zeit hat sich der Begriff &#8222;Nachklang&#8220; je nach Stück leicht verändert, aber er basiert immer noch auf einer Reflexion über den Klang selbst, seine mögliche Bedeutung und die Wahrnehmung des Phänomens der Perspektive. Er kann sowohl auf der Ebene des reinen musikalischen Materials (Resonanzen, Reflexionen, Kontraste) als auch metaphorisch (wenn die Komposition zum Nachbild eines äußeren Phänomens wird) betrachtet werden. Ich versuche immer noch herauszufinden, was ein Nachklang sonst noch sein kann oder wie er sonst noch verstanden werden kann. Bei dem neuen Stück für die Musikfabrik wollte ich mich auf die ursprüngliche Definition eines Nachbildes beziehen. In der Optik ist ein &#8222;Nachbild&#8220; ein Bild, das auf der Netzhaut gespeichert wird und dort länger als die Dauer des Sehvorgangs bleibt. Nachdem der Blick auf ein anderes Objekt übertragen wurde, überlagert und vermischt das Auge die gespeicherten und die aktuellen Bilder, wobei es ein Prinzip der Komplementärfarben anwendet. Ich dachte, dass im Falle von Musik ein Nachklang auch einfach als der in den Augen (oder besser gesagt in den Ohren) gespeicherte Ton verstanden werden könnte, der länger als der tatsächlich gespielte Ton &#8211; also der Nachhall des Tons &#8211; verbleibt. Der Nachhall kann auf natürliche Weise mit der Akustik des Konzertsaals erzeugt werden, oder auch mit elektronischen Quellen reproduziert und schließlich mit bestimmten kompositorischen Verfahren künstlich abgebildet werden. All diese Methoden haben mich besonders bei den Doppeltrichterblasinstrumenten interessiert, die diese einzigartige Möglichkeit haben, aus jedem Trichter einen anderen Klang zu erzeugen. Ich möchte nicht zu viel über die spezifischen technischen Lösungen sprechen, die teilweise während der Aufführung herausgestellt werden.</p>
<p>Wenn ich über das neue Stück nachdenke, wollte ich auch eine andere Art des Nachklangsverständnisses anwenden, indem ich dem Publikum den Eindruck eines vervielfachten und verräumlichten Klangs vermittle, ähnlich wie bei der akusmatischen Musik, allerdings ganz von den Instrumenten und nicht vom Computer erzeugt. Ich habe diese Idee bereits in einigen meiner früheren Stücke verwendet und sie &#8222;musique acousmatique instrumentale&#8220; genannt.</p>
<p>Ich bin der fortschreitenden Visualität der Musikkunst etwas überdrüssig; ich sehe keine großen musikalischen Fortschritte in diesem Trend und in den meisten Fällen fand ich es eher beunruhigend. Meine &#8222;musique acousamtique instrumentale&#8220; scheint das traditionelle Konzept von François Bayle zu verleugnen, wonach akusmatische Musik als im Studio produzierte Musik verstanden wird, die dann über die Lautsprecher verbreitet wird und der Zuhörer die ursprüngliche Klangquelle nicht wahrnimmt. Tatsächlich war die akusmatische Erfahrung ganz am Anfang eine akustische Erfahrung, die von Pythagoras&#8216; Schülern, akousmatikoi genannt, praktiziert wurde, die ihm von hinter dem Vorhang zuhörten, um sich besser auf den Inhalt seiner Vorlesungen konzentrieren zu können. Viel später wurde der Begriff von den Dichtern, z.B. Guillaume Appolinaire, verwendet, gefolgt von den Musikern Pierre Schaeffer und François Bayle, die eine neue Bedeutung der akusmatischen Musik schufen, die die Live-Aufführung ausschloss. Und das war meiner Meinung nach ein Fehler. Nach der anfänglichen Neugier haben die Konzerte der akusmatischen Musik Ende der 70er Jahre keine große Popularität erlangt, das Publikum akzeptierte keine Konzerte ohne die Teilnahme der Live-Musiker. Ich beschloss, zu den Ursprüngen der &#8222;akusmatischen Musik&#8220; zurückzugehen und zu versuchen, einige ihrer Vorteile zu erhalten. Das faszinierendste Element der akusmatischen Musik ist für mich die Möglichkeit, die Flugbahn des Klangs zu verfolgen, wobei ich ständig von der Bewegung der Klänge im Raum überrascht werde. Dieser Eindruck war mit einer akustischen Darbietung, bei der wir die Musiker sehen und die Bewegung der Klänge im Raum leicht vorhersagen können, unmöglich zu erreichen. Deshalb beschloss ich, das Publikum einzuladen, Augenbinden zu tragen (oder einfach nur die Augen zu schließen) und seine Fantasie und Vorstellungskraft zu entfalten. Dies wird auch der Fall sein bei dem neuen Stück für das Blechbläserquartett der Musikfabrik.</p>
<p><strong>Du hast schon mehrmals mit dem Ensemble gearbeitet, kannst du uns etwas über die bisherige Zusammenarbeit erzählen?</strong></p>
<p>Wir haben schon mehrmals zusammen gearbeitet, das erste Mal für das Stück &#8222;Blind Walk&#8220;, das 2015 von der Biennale in Venedig in Auftrag gegeben wurde. Ich war erstaunt über die ausgezeichnete Musikalität und Offenheit der Mitglieder der Musikfabrik und versuchte, sie zur Zusammenarbeit an anderen Werken einzuladen. So entstand &#8222;Some Drops&#8220; für Trompete und Ensemble, das während des polnischen &#8222;Sacrum Profanum&#8220;-Festivals und des Huddersfield Contemporary Music Festivals gespielt wurde. Vor kurzem nahm das Blechbläserquartett meine Einladung an, an der einstündigen Multimedia-Show &#8222;Afterthoughts&#8220; teilzunehmen, die anlässlich des 100. Jahrestages der polnischen Unabhängigkeit komponiert wurde und in der Stettiner Philharmonie aufgeführt wurde. Jetzt arbeiten wir an den nächsten beiden Stücken, und ich hoffe, dass diese Zusammenarbeit fortgesetzt wird und wieder Früchte trägt.</p>
<p><strong>Woran arbeitest du derzeit neben den Werken für das Blechbläserquartett noch? Was sind die Inspirationsquellen für diese Stücke?</strong></p>
<p>Ich arbeite an einem Konzert für 6 Solosaxophone und Orchester, das für März 2021 geplant ist und vom Nationalen Polnischen Rundfunkorchester in Kattowitz gespielt werden soll, sowie an einem Flötensolostück, das während des Internationalen Flötenfestivals, das im September 2020 von der Deutschen Gesellschaft für Flöte in Freiburg organisiert wird, uraufgeführt werden soll. Die Inspirationsquellen drehen sich nach wie vor um das Konzept der Aftersounds, Afterhearings, Afterthoughts und &#8222;musique acousmatique instrumentale&#8220;. Ich habe bereits viele Stücke geschrieben, die mit der Idee der Nachklänge in Verbindung stehen, und ich sehe immer noch ein großes Potential, sie zu erforschen oder wieder neu zu entdecken.</p>
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		<title>Get to know Sara Cubarsi!</title>
		<link>https://www.musikfabrik.eu/de/blog/get-to-know-sara-cubarsi/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redakteur 1]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Feb 2020 11:25:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.musikfabrik.eu/?p=8652</guid>

					<description><![CDATA[Ein Interview mit dem neuen Ensemble Mitglied Sara Cubarsi]]></description>
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				<p><em>Die Geigerin Sara Cubarsi ist das neueste Mitglied des Ensembles Musikfabrik. 1991 in Barcelona geboren, studierte sie in London und Kalifornien und hat sich als Solistin, Komponistin und Kammermusikerin internationale Anerkennung erworben. Obwohl ihr Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Musik liegt, liebt sie es, die verschiedensten Stilrichtungen zu erforschen und spielt auch auf der Barock- und der elektrischen Geige. Sara Cubarsi kuratiert ihr erstes Montagskonzert in der Musikfabrik am 2. März 2020.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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				<figure id="attachment_923" aria-describedby="caption-attachment-923" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-923 size-full" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/10/Cubarsi-Sara-©-Jane-Sinica_03839.jpg" alt="Sara Cubarsi" width="675" height="450" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/10/Cubarsi-Sara-©-Jane-Sinica_03839.jpg 675w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/10/Cubarsi-Sara-©-Jane-Sinica_03839-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 675px) 100vw, 675px" /><figcaption id="caption-attachment-923" class="wp-caption-text">© Janet Sinica</figcaption></figure>
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				<p><strong>Sara, erzähl uns von deinen wichtigsten musikalischen Einflüssen.</strong><br />
Meine Eltern sind keine Musiker, aber ich bin mit verschiedenen Arten von Musik aufgewachsen und alle meine drei Geschwister sind Geiger, die sich auf verschiedene Gebiete spezialisiert haben. Ich denke, das lebendige Umfeld des musikalischen Austausches, das ich zu Hause hatte und immer noch habe, ist das Hauptmerkmal meiner musikalischen Erziehung. Außerdem war ich immer ein Jascha Heifetz-Fan, und es gibt Komponisten, die mich direkt persönlich beeinflusst und geleitet haben, wobei der größte Einfluss von meinem früheren Kompositionslehrer Wolfgang von Schweinitz kam. Paradoxerweise hatte er großen Einfluss auf meine Reise in die Alte Musik. Viele Jahre lang verfolgte ich die Arbeit der Gruppe Wandelweiser und der Interpreten und Komponisten von Plainsound, und in Kalifornien umgab ich mich mit Weltmusik und experimentellem Noise-Metal. All diese Elemente prägen meinen Musikgeschmack&#8230;</p>
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				<p><strong>Du trittst als Performerin, Komponistin und bildende Künstlerin auf &#8211; gibt es ein verbindendes Element?</strong><br />
Als ich in Kalifornien studiert habe, waren diese Aktivitäten völlig miteinander verwoben. Ich führte meine eigenen Arbeiten auf und machte Wachsmalereien, die zur gleichen Zeit wie die Aufführung schmolzen. Dort hatte ich viel Zeit und Raum zum Experimentieren. Ich interessierte mich für die reine Intonation und die Herausforderung des perfekten Gleichgewichts, sowohl in der Stimmung als auch in der greifbareren Welt. Das Wachs wurde für zu einer parallelen Leidenschaft gegenüber der Intonation, wahrscheinlich wegen seiner Eigenschaften. Der Umgang mit Wachs war ein bisschen wie der mit der Stimmung, es zeigt sich zerbrechlich und empfänglich (oder verletzlich) für äußere Veränderungen. Ich interessierte mich auch für die Idee von &#8218;vibrierendem Material&#8216; (es gibt ein sehr interessantes Buch von Jane Bennett), und ich wurde inspiriert, über diese Entitäten nachzudenken, die ihr eigenes, relativ unvorhersehbares Leben haben, so dass die Wachsbilder sich in der Aufführungszeit irgendwie selbst choreographierten. Ich fand auch, dass die Erfahrung, mikrotonale Musik aufzuführen, verschiedene Sinne stimuliert. Es ist etwas sehr Sinnliches in dieser Musik. Das Komponieren für diese Bilder musste auch eine gewisse Offenheit und Empfänglichkeit dafür zulassen, wie und wann das Wachs schmilzt. Es hat mir Spaß gemacht, dieses Gespräch mit Materialien außerhalb der Musik in die Musik zu integrieren.</p>
<p><strong>Du machst auch viel Barockmusik &#8211; macht das für dich einen Unterschied oder ist es im Grunde dasselbe wie die Arbeit an einem zeitgenössischen Stück?</strong><br />
Ja, es ist mehr oder weniger dasselbe&#8230; mit einer leichten Zeitverschiebung. Bei Barockmusik kann man nicht direkt mit dem Komponisten sprechen. Man fragt sich, wie die Instrumente der damaligen Zeit klangen, wie der historische Kontext unseren Geschmack, unsere musikalischen Entscheidungen und Prioritäten beeinflusst, usw. Aber diese Lücke wird durch das Studium von alten Dokumenten, Gemälden, erhaltenen Instrumenten usw. und ein wenig Phantasie gefüllt. Natürlich werden diese Parameter beim Erlernen eines Stückes eines heute lebenden Komponisten unmittelbarer behandelt, aber ähnliche Fragen stellen sich auch in der Neuen Musik, vor allem weil jeder Komponist heute eine so andere Welt präsentiert. Ich denke, dass einer der Hauptunterschiede beim Betrachten der Notation an die Oberfläche kommt. Man kann viele Aufführungspraktiken in der Alten Musik durch Abhandlungen kennen lernen, aber nicht so sehr durch die Notation, es gibt so viel, was nicht in der Partitur steht, weil die Aufführungspraxis mehr oder weniger standardisiert ist, zumindest nach Regionen. Aber im Bereich der zeitgenössischen Musik entwickelt jeder Komponist oft einen eigenen Notationsstil, der seinen eigenen musikalischen Prioritäten entspricht. Diese Prioritäten ändern sich in der zeitgenössischen Musik von Komponist zu Komponist so viel mehr, als wenn man die Barockkomponisten betrachtet. Wegen dieser Vielfalt an Stilen und Aufführungspraktiken in der Neuen Musik von heute tendieren die meisten zeitgenössischen Komponisten, die ich spiele, dazu, in der Partitur zu versuchen, zu reflektieren, wie sie so genau wie möglich klingen oder ausgeführt werden sollte &#8211; und normalerweise gehen der Partitur die Aufführungsnoten voraus, die wie das Miniaturäquivalent einer Abhandlung über Alte Musik aussehen würden. Da ist auch die Frage nach Zweck und Funktion als Interpreten &#8211; es fühlt sich beim Spielen neuer Musik nicht so gravierend an wie beim Rückblick auf 300 Jahre und der Entscheidung, diese Musik heute zu spielen &#8230; Vielleicht ist es also im Grunde genommen nicht dasselbe?</p>
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				<p><strong>Warum der Fokus auf zeitgenössische Musik?</strong><br />
Für mich war die Beschäftigung mit neuer Musik eine Selbstverständlichkeit, ich habe mich an der Hochschule mit den Komponisten umgeben &#8211; und ich komponiere selbst ein bisschen. Aber das ist eine seltsame Frage. Ich versuche, nicht das für morgen zu lassen, was ich heute tun könnte, und bei der Musik bedeutet das für mich, es nicht den Enkeln Deines Freundes zu überlassen, wie sich unsere Zeitgenossen ihre Musik vorstellen (obwohl, wenn wir aus dem Grab heraus spionieren könnten, wäre das auch sehr interessant).</p>
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				<figure id="attachment_929" aria-describedby="caption-attachment-929" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-929 size-full" src="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/10/Cubarsi-Sara-©-Janet-Sinica-JS_07642.jpg" alt="Sara Cubarsi" width="675" height="450" srcset="https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/10/Cubarsi-Sara-©-Janet-Sinica-JS_07642.jpg 675w, https://www.musikfabrik.eu/wp-content/uploads/2021/10/Cubarsi-Sara-©-Janet-Sinica-JS_07642-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 675px) 100vw, 675px" /><figcaption id="caption-attachment-929" class="wp-caption-text">© Janet Sinica</figcaption></figure>
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				<p><strong>Was möchtest du als Mitglied des Ensemble Musikfabrik für dich und die Gruppe erreichen?</strong><br />
Ich lerne viel aus der Arbeit mit diesen erstaunlichen Musikern. Sie haben viel Erfahrung und arbeiten schon sehr lange zusammen &#8211; man spürt ein hohes Maß an Vertrauen, Komfort und Wissen voneinander, es herrscht eine gesunde Stimmung. Diese langjährige Ensemblesituation ist eine besondere Chance und eine für mich immer noch neue Erfahrung, die es erlaubt, musikalisch mehr ins Detail zu gehen, als wenn man ständig neue Leute in der freien Szene trifft und mit ihnen spielt. Man bringt auch eigene musikalische Einflüsse in das Ensemble ein und lernt die Interessen anderer kennen. Außerdem finde ich es wichtig, dass das Ensemble aus Interpreten der jüngeren Generationen und aus verschiedenen Ländern besteht, da jeder von uns eine direkte Verbindung zu einer anderen Generation von Komponisten und Ansichten hat.</p>
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