06.10.2016

Tanz durch die Emotionen

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Am 14. Oktober bringen wir in Kooperation mit der Choreografin Alexandra Waierstall, Factory Artist 2014-2016 am tanzhaus nrw, „Sixteen Dances for solist and company of three“ (1950-51) von John Cage auf die Bühne der Kölner Philharmonie. Die Entstehung dieses Werkes stellt in Cages Schaffen einen wichtigen Wendepunkt dar, da es die erste Komposition war, in der er Zufallsoperationen als kompositorisches Mittel angewendet hat.

Cage und Merce Cunningham (Choreograf und Tänzer der Originalbesetzung) entwickelten die Partitur und Choreografie für Solist und drei Tänzer mithilfe von ästhetischen Prinzipien altindischer Kunst. In zufälliger Abfolge wurden die neun Rasas, die einzelnen emotionalen Grundkomponenten eines jeden Kunstwerkes, musikalisch und tänzerisch umgesetzt: Wut (Anger – Rot), Humor (Humour – Weiß), Mitgefühl (Sorrow – Grau), Heldentum (Heroic – Orange), Abscheu (Odious – Blau), Magie (Wondrous – Gelb), Angst (Fear – Schwarz), Erotik (Erotic – Grün) und Frieden (Tranquillity – Weiß). Auf die ersten sieben Rasas folgt bei Cage jeweils ein Interludium, nur das achte Rasa – Erotik – führt direkt zum Neunten – Frieden – und so entfalten sich „Sixteen dances“.

Alexandra Waierstall konzipierte eine neue Choreografie, die sich dennoch an den ursprünglichen Ideen Cages und Cunninghams orientiert. Die einzelnen Grundstimmungen werden als Soli begleitet von einer Gruppe getanzt, nur die letzten beiden – Erotik und Frieden – als Duett bzw. Quartett. In den Interludien werden die in den Soli verkörperten Emotionen von allen vier Tänzern weiterentwickelt. Mit ihrer von hoher Sensitivität und Musikalität geprägten choreografischen Handschrift kreiert Alexandra Waierstall den Rasas folgend eine kraftvolle Choreografie ohne Auftritte und Abgänge der Tänzer, die kontinuierlich den Bewegungen des Dirigenten und der Musiker folgen. Ein Wechselspiel aus Verbundenheit und Distanz, Teilnahme und Zeugenschaft, Gemeinsamkeit und Differenz entsteht, in dem die Tänzer mit aufmerksamer physischer Präzision den schnellen Wechsel von einer Emotion zur anderen verkörpern. Dieser sequentielle Prozess wird für das Publikum durch die Farben, die den einzelnen Rasas zugeordnet sind, gestaltet.

Sixteen Dances (c) Alexandra Waierstall

Choreografie und Konzept: Alexandra Waierstall; Performance und Mitarbeit: Dani Brown, Harry Koushos, Ioanna Paraskevopoulou, Anna Pehrsson; Musik: Ensemble Musikfabrik; Dirigent: Ilan Volkov.

Eine gemeinsame Produktion von Ensemble Musikfabrik, Alexandra Waierstall, KölnMusik und tanzhaus nrw.