13.09.2016

RICHTERS PATTERNS

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Ein Film von Corinna Belz nach einer Idee von Gerhard Richter

Nach meinem abendfüllenden Dokumentarfilm „Gerhard Richter Painting“ ergab sich vor zwei Jahren eine neue Zusammenarbeit mit Gerhard Richter, die das Thema ‚Richter und die Musik’ im Focus hatte. Zunächst entstand ein stummer Kurzfilm von drei Minuten aus der algorithmischen Bearbeitung von Richters abstraktem Bild 724-4 von 1990.

Unzählige Male ist im Zusammenhang mit Richters großen abstrakten Bildern auf musikalische Rhythmen verwiesen worden. Es lag also nahe, dass eine filmische Adaption eines Gemäldes auf der akustischen Ebene nach einer musikalischen Komposition verlangte. Musik interpretiert sozusagen die rhythmischen Strukturen, die sich aus der Animation eines Bildes ergeben, und lässt im Auge des Betrachters spezifische Bewegungseindrücke entstehen.

Für den Konzertabend anläßlich des 25. Geburtstags der Musikfabrik am 16.9. in der Kölner Philharmonie entstand ein Film von etwa 32 Minuten. Dieser Film wurde nicht mit Kameras gedreht, sondern in Rechenoperationen, anknüpfend an Richters Serie „Strips“ und das Buch „Patterns: Divided - Mirrored - Repeated“, mit einem eigens für das Projekt geschriebenen Programm entwickelt. Für den 32 minütigen Film wurden ca. 60.000 Einzelbilder generiert und bearbeitet, die dann im Schneideraum zu einem Film montiert wurden. Die Bewegung entsteht allein in der Wahrnehmung des Betrachters durch die Reihung und Spiegelung verschiedener Phasen der Farbstrukturen des jeweiligen Bildes.

Filmstill aus RICHTERS PATTERNS (c) Corinna BelzFilmstill aus RICHTERS PATTERNS (c) Corinna Belz

Nach einem Besuch im Atelier im Sommer 2015 schlug Gerhard Richter vor, nicht noch einmal auf das schon bekannte Bild zurückzugreifen, sondern seine neue Serie abstrakter Bilder, die im Mai 2016 erstmals in New York ausgestellt wurde, als Ausgangspunkt zu nehmen. Richter machte in der Folge Fotos von Ausschnitten einzelner Bilder und überließ sie mir zur weiteren Bearbeitung. Der Film setzt sich aus anfänglich ornamentalen Strukturen zusammen, die sich schließlich immer weiter verfeinern und auflösen bis sie in einer schnellen Bewegung horizontaler Streifen kulminieren. Ein Bilderlebnis, das im Dialog mit einem hervorragenden Ensemble und der Uraufführung einer Komposition von Marcus Schmickler Musik als Interpretation des Bildrhythmus erfahrbar macht und den Bildrhythmus als optische Wahrnehmung des Gehörten.

Corinna Belz, Februar 2016

RICHTERS PATTERNS (2016)
Musikalische Installation für 18 Musiker und Elektronik von Marcus Schmickler und gleichnamiger Film von Corinna Belz nach einer Idee von Gerhard Richter
Kompositionsauftrag der KölnMusik

Uraufführung am 16. September in der Kölner Philharmonie